
«Mode und Religion» interreligiös
- Die Zeitung «zVisÂite» ist eine interÂreÂligiöse GemeinÂschaftÂsproÂdukÂtion, an der auch HorÂiÂzonte mitÂgestalÂtet.
- JewÂeils zur «Woche der ReliÂgioÂnen» im NovemÂber erscheint die aktuelle AusÂgabe. Dieses Jahr zum TheÂma «Mode und ReliÂgion».
- Der AufÂtakÂtarÂtikel befasst sich mit Glaube, Stil und IdenÂtität: Wie wir uns kleiÂden, zeigt, wer wir sind und wo wir hingeÂhören. BeeÂinÂflusst auch die religiöse ÜberzeuÂgung den Griff in den KleiÂderÂschrank?
Religion macht Mode
ModÂedesignÂer beeÂinÂflussen einÂerÂseits die klerikale GarderÂobe, sie lassen sich von ihr aber auch inspiriÂeren. So findÂen sich etwa in den KollekÂtioÂnen von Christa de Carouge, Karl LagerÂfeld oder Jil Sander KleiÂder und MänÂtel, die durÂchaus an klösterÂliche TraÂdiÂtioÂnen erinÂnern. Und ModemachÂer wie H&M und Nike verÂdiÂenen unter dem Label «IslamÂic Fashion»längst viel Geld, indem sie MusÂlimÂinÂnen von oben bis unten stilÂvoll verÂhüllen.Mit religiöser Kleidung wird auch Politik gemacht
Doch mit religiösÂer KleiÂdung werÂden nicht nur Geschäfte gemacht, sonÂdern auch PoliÂtik. Der ReliÂgionÂswisÂsenschaftler und HisÂtorikÂer ValentiÂno LeanÂza beobachtet, dass in den letÂzten Jahren die AufmerkÂsamkeit für die «SichtÂbarkeit von ReliÂgion» hierzuÂlande deutÂlich zugenomÂmen habe. Ein Grund dafür sei die verÂstärkÂte MigraÂtion von MenÂschen aus dem araÂbisÂchen und afrikanisÂchen Raum. «Wenn über ein BurÂka-VerÂbot abgesÂtimmt wird, schafft man für dieses KleiÂdungsstück viel AufmerkÂsamkeit. Und die EmoÂtioÂnen, die das Stück Stoff ausÂlöst, werÂden genutzt und verÂstärkt», meint LeanÂza. Die fortschreÂiÂtÂende SäkuÂlarÂisierung sei ein weitÂerÂer Grund dafür, dass die Leute stärkÂer auf religiöse SigÂnale im öffentlichen Raum reagierten. «Wo ReliÂgion immer mehr an BedeuÂtung verÂliert und ins PriÂvate gedrängt wird, gelÂten religiöse KleiÂder und AccesÂsoires oftÂmals als rückÂständig und als Zeichen für UnterÂdrückÂung und NichtÂinÂteÂgraÂtion.»Das Video der beiden Fotografen Nora Steffen und Dominic Wenger zu dieser «Modeschau mit Tiefgang»
Mode macht Religion
Die Art, sich zu kleiÂden, ob religiös, sportlich, eleÂgant, sexy oder bieder, ist immer ein StateÂment. Der Satz des KomÂmuÂnikaÂtionÂswisÂsenschaftlers Paul WatÂzlawÂick, «Man kann nicht nicht komÂmuÂnizieren», trifft auch auf unsere KleiÂder zu. Sie schützen nicht nur vor Kälte, Hitze und neugieriÂgen BlickÂen, sie klären auch SitÂuÂaÂtioÂnen, stiften IdenÂtität und helfen, uns in der Gesellschaft zu verorten. Das musÂlimÂisÂche KopfÂtuch, das christliche SchmuckÂkreuz oder der TurÂban der Sikhs sigÂnalÂisieren einÂdeutig, zu welchÂer Gruppe die TrägerinÂnen und Träger gehören. Diese SigÂnale wirken sowohl nach aussen als auch nach innen. Deshalb be- zeichÂnet ValentiÂno LeanÂza die KleiÂdung als «Schnittstelle» der Innen- und AussenÂperÂspekÂtive. Eine Schnittstelle, an der es zu komÂplexÂen AbwäÂgungs- und AushandÂlungÂsprozessen komme. Als Beispiel nenÂnt er eine junge Frau aus einÂer christlichen GemeinÂschaft, die sich explizÂit schlicht kleiÂde, frisiere und eine HalsÂkette mit Kreuz trage. «Die FraÂgen ihrer MitschüÂlerinÂnen zwinÂgen sie, sich bewusst zu machen, warum sie was tut», erkÂlärt LeanÂza. «Sie setÂzt sich mit ihrem Glauben auseinanÂder, was ihr letÂztlich zu einÂer reflekÂtiertÂeren religiösen HalÂtung verÂhilÂft.»Mode und Religion ziehen sich an und stossen sich ab
Mode und ReliÂgion haben vieles gemeinÂsam, beeÂinÂflussen sich gegenÂseitÂig, ziehen sich an und stossen sich ab. Der MutÂter des verÂstorÂbeÂnen ModÂeÂschöpfers Karl LagerÂfeld wurde einst prophezeit, ihr Sohn werde GeistlichÂer. So ganz daneben lag das Orakel nicht: LagerÂfeld zeigte sich der Öffentlichkeit stets mit weisÂsem PriesterkraÂgen und würdeÂvollem Winken. Kein WunÂder, wurde er «ModÂeÂpapst» genanÂnt.


