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Hass und Gewalt im ​Namen Gottes?
Religion ist eine Quelle von Hass und Krieg – da sind sich viele Menschen heutzutage einig. Vor allem, wenn wir uns anschauen, in welchem Zusammenhang in den Nachrichten über Religion berichtet wird. Aber stimmt das? Legitimieren Religionen an sich Gewalt? Ein Gespräch mit dem Theologen Reinhold Bernhardt.
Gibt es verschiedene Formen religiöser Radikalisierung?
Prof. em. Dr. ReinÂhold BernÂhardt: Ich schlage eine UnterÂscheiÂdung zwisÂchen zwei Arten von Radikalisierung vor. Auf der einen Seite haben wir die Radikalisierung, die sich im GrenzbereÂich von ReliÂgion und PoliÂtik bewegt und die gemeinÂhin auch als FunÂdaÂmenÂtalÂisÂmus bezeÂichÂnet wird. Dabei hanÂdelt es sich um «aktivisÂtisÂche Radikalität». In diese KatÂeÂgorie gehört beispielÂweise der sogeÂnanÂnte IslamisÂche Staat (IS); diese Art der Radikalisierung findÂet sich aber auch bei ChristinÂnen und ChrisÂten. Denken wir etwa an die Anschläge auf ÄrztinÂnen und Ärzte von AbtreiÂbungskliniken in den USA. Auf der anderen Seite steÂht eine Art «RückÂzugsradikalisÂmus». Ihm gehören sehr strengÂgläuÂbige MenÂschen an, die sich eher zurückziehen und überÂhaupt nicht im Sinn haben, mit Gewalt oder poliÂtisch motiviert zu hanÂdeln. Beispiele dafür sind die AmisÂchen in den USA oder die PiusÂbrudÂerÂschaft auf katholisÂchÂer Seite. Das ist eine ganz auf die Idee, auf das ZenÂtrum der ReliÂgion bezoÂgene Radikalität. Es ging und geht diesen GläuÂbiÂgen darum, die «radix», lateinisch für Wurzel – daher kommt ja das Wort «radikal» – wiederÂherzustellen. Alle ErneuerungsÂbeÂweÂgunÂgen innerÂhalb der ReliÂgioÂnen haben im Grunde diesen radikalen Impuls.
Ab und zu wird behauptet, es gäbe friedliche und gewalttätige Religionen. Kennen alle religiösen Traditionen Radikalisierung?
BernÂhardt: NatürÂlich. Es gibt in allen ReliÂgioÂnen friedÂferÂtige ReliÂgionsÂforÂmen und kämpferische. KeinesÂfalls aber ist das als WesensÂmerkÂmal einÂer besÂtimmten ReliÂgion oder gar von ReliÂgion generell zu verÂsteÂhen. MenÂschen jeglichÂer ReliÂgion könÂnen sich radikalisieren. Das erleben wir beispielÂweise, wenn MusÂlime nach Europa komÂmen, davor zum Teil mit ReliÂgion gar nichts am Hut hatÂten, sich aber hier mit der ReliÂgion ihres HerkunÂftÂsÂlanÂdes überiÂdenÂtiÂfizieren. Auch einige ChristinÂnen und ChrisÂten radikalisieren sich im Laufe ihres Lebens. Und glauben Sie bloss nicht, das gäbe es im HinÂduisÂmus und BudÂdhisÂmus nicht. Diese beiÂden ReliÂgioÂnen werÂden von den MenÂschen oft als friedÂferÂtig wahrgenomÂmen, sie denken an den in sich ruhenÂden BudÂdha. NatürÂlich existieren auch ein budÂdhisÂtisÂchÂer FunÂdaÂmenÂtalÂisÂmus und ein HinÂduÂfunÂdaÂmenÂtalÂisÂmus.
Gibt es bestimmte Umfelder oder Lebenssituationen, in denen sich Menschen häufiger radikalisieren?
BernÂhardt: Ja, oft dann, wenn MenÂschen das Gefühl haben, sie würÂden marÂginÂalÂisiert und diskriÂmÂiniert, sie bekäÂmen keine AnerkenÂnung, würÂden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, hätÂten keine soziale Heimat.
Aber betrifft das nur Menschen in einer «religiösen Diaspora», oder kann das auch Menschen passieren, die als Christinnen in einem christlichen Land oder als Muslime in einem muslimischen Land leben?
BernÂhardt: Auch, natürÂlich. Der IS ist ein Beispiel. Die Anhänger kamen aus dem sunÂniÂtisÂchen Islam, fanÂden ihn aber so, wie er in ihren HeimatlänÂdern umgeÂsetÂzt wurde, nicht streng genug. Radikalität hat immer mit Strenge zu tun. Die StrengÂgläuÂbigkeit verbindet sich dann häuÂfig mit der Forderung nach strenÂgeren Regeln in der PoliÂtik, in der Gesellschaft, besÂtimmten KleiÂdungsvorschriften, einem strenÂgen Strafrecht und so weitÂer. Ein weitÂeres wichtiges Motiv ist, die ReliÂgion reinzuhalÂten, vor allem von EinÂflüssen libÂeraler BeweÂgunÂgen. Das findÂen wir auch im radikalen traÂdiÂtionÂalÂisÂtisÂchen KatholizisÂmus, im evanÂgeÂlisÂchen FunÂdaÂmenÂtalÂisÂmus, im islamisÂchen IslamisÂmus. In jedÂer ReliÂgion gibt es solche StröÂmungen. Aber, wie bereÂits gesagt, kann sich diese Strenge auch ganz nach innen richtÂen, auf die eigene ReliÂgiosität.
Welche Funktion hat denn die Religion bei einer Radikalisierung?
BernÂhardt: Dazu gibt es verÂschiedene TheÂoÂrien. Einige sagen, die ReliÂgion wird in Anspruch genomÂmen. Sie bietet gewisÂserÂmassen den Ressourcenpool, aus dem geschöpft wird. Und da gibt es einiges, was man schöpfen kann, zum Beispiel das Bild eines strenÂgen, richÂtÂenÂden Gottes, der die AbweÂichÂler bestraft. Oder die exkÂluÂsivÂen AbsoÂlutheitÂsansprüche. Dass es solche Ressourcen in den ReliÂgioÂnen gibt, heisst aber nicht, dass die ReliÂgioÂnen aus sich herÂaus zur Radikalität neigen. Die ReliÂgioÂnen sind ambivaÂlent, sie haben genauÂso Impulse für FriedÂferÂtigkeit, VerÂsöhÂnung und VergeÂbung. Ein «schönes» Beispiel war die VerÂarÂbeitung der Anschläge vom 11. SepÂtemÂber 2001 in den USA. Die Anschläge waren religiös motiviert, das war einÂdeutig religiösÂer RadikalisÂmus. AnderÂerÂseits hat die ReliÂgion sehr viel dazu beigeÂtraÂgen, dieses TrauÂma zu verÂarÂbeitÂen. LanÂdesweit fanÂden grosse interÂreÂligiöse GottesÂdiÂenÂste statt. Daran sieht man: Radikale könÂnen die ReliÂgion vor ihren KarÂren spanÂnen, bis hin zur LegitÂiÂmaÂtion von TerÂroÂranÂschläÂgen. MenÂschen könÂnen aber auch aus den ReliÂgioÂnen Impulse zur NächÂstenÂliebe und FriedÂferÂtigkeit schöpfen.
Wie sieht das Weltbild radikalisierter Menschen aus?
BernÂhardt: Das ist schwÂer zu verÂallÂgeÂmeinÂern. Sie haben auf jeden Fall das Bild einÂer bedroÂhtÂen Welt, die kein festes FunÂdaÂment hat, weil dieses durch libÂerale BeweÂgunÂgen zerÂfressen ist und man darauf keine Gesellschaft bauen kann. Es hanÂdelt sich um ein BedroÂhungsszenario, da ist Angst im Spiel. Daraus entwickÂelt sich ein RetÂtungsimÂpuls, der nun wieder in beiÂden RichÂtunÂgen aussÂchlaÂgen kann. RetÂtung, in dem man sich ganz herÂauszieht aus der Welt, oder der Impuls, in die PoliÂtik und Gesellschaft hineinzugeÂhen und sie so zu veränÂdern, dass sie Gottes VorstelÂlunÂgen entsprechen.
Aus religionspsychologischer und soziologischer Sicht: Was treibt Menschen an, sich entweder für den Rückzugsradikalismus oder den aktivistischen Radikalismus zu entscheiden?
BernÂhardt: Oft wurde gesagt, religiöse Radikalität sei ein AusÂdruck von PerÂsönÂlichkeitssÂchwäche. Die MenÂschen hätÂten kein eigenes RückÂgrat und bräuchtÂen gewisÂserÂmassen dieses künÂstliche RückÂgrat der ReliÂgion. In radikalen StröÂmungen fänÂden sie eine GemeinÂschaft, die streng zusamÂmenÂhält, in der sie fest eingeÂbunÂden sind. Das greift mir zu kurz. Solche psyÂcholÂoÂgisÂchen Motive mögen eine Rolle spieÂlen – ich glaube aber nicht, dass sie entscheiÂdend sind, denn in den radikalen BeweÂgunÂgen gibt es sehr selbÂstÂbeÂwusste und perÂsönÂlichkeitsstarke MenÂschen.
AnderÂerÂseits werÂden soziÂolÂoÂgisÂche Gründe genanÂnt: Radikalisierung als Folge von MarÂginÂalÂisierung, zum Beispiel unter MenÂschen, die verÂtrieben worÂden sind. Man fand herÂaus, dass es in den USA unter den MitÂgliedern evanÂgeÂlikaler GemeinÂden einen relÂaÂtiv hohen Prozentsatz von MenÂschen gibt, die umgeÂzoÂgen sind, die also ihre Heimat verÂloren oder aufgegeben haben, die neue Wurzeln suchen. Ein HerÂausÂgerisÂsenÂsein, das Gefühl, auf schwankÂenÂdem Boden zu steÂhen, das Erleben eines KonÂtrolÂlverÂlusts: «Ich verÂliere meine ExisÂtenÂzÂgrundÂlage. Ich kann meine FamÂiÂlie nicht mehr über WassÂer halÂten. Ich habe keine gesellschaftliche MitÂsprache. Ich bin ausÂgeschlossen, diskriÂmÂiniert.» Das sind sichÂer Motive, die eine Rolle spieÂlen könÂnen.
Wichtig ist auf der anderen Seite auch, wie die GemeinÂschaft strukÂturiÂert ist, in der die EntwurzelÂten nach neuen Wurzeln suchen. Wenn sie von einÂer charisÂmaÂtisÂchen Autorität geleitÂet wird, die als HasÂsprediÂger auftritt, so kann das gerÂade junge MenÂschen, die in einÂer OriÂenÂtierungsphase sind, radikalisieren.
Man muss sich jeden Einzelfall neu anschauen und dann für diesen Einzelfall die Antwort findÂen. Es spieÂlen sicherÂlich das PsyÂcholÂoÂgisÂche, das SoziÂolÂoÂgisÂche und das Religiöse zusamÂmen.
All das kann man ja 1:1 auf die politischen radikalen Strömungen anwenden, die momentan gerade in vielen Ländern zu beobachten sind.
BernÂhardt: Ja, ganz genau. Das ist genau die gleÂiche StrukÂtur. Deshalb hatÂte ich vorhin vom Motiv der Strenge gesprochen. Das zieht sich durch, von StrengÂgläuÂbigkeit bis zu einÂer strenÂgen poliÂtisÂchen HalÂtung. Radikalität ist durchdekÂlinÂierÂbar durch verÂschiedene Fälle.
«ReliÂgion ist immer radikalisierungsanÂfälÂlig, aber sie kann nicht als radikal an sich bezeÂichÂnet werÂden. Sie will den MenÂschen eine Wurzel geben. Dabei hängt es davon ab, wie die GläuÂbiÂgen mit der TraÂdiÂtion oder den GrundÂlaÂgen umgeÂhen. Und dabei spieÂlen dann sehr viele nichtreÂligiöse FakÂtoren eine Rolle.»
Mit welchen religiösen Motiven wird radikales Verhalten begründet?
BernÂhardt: Das eine ist dieses Bild vom strenÂgen, richÂtÂenÂden, strafendÂen Gott, von einem Gott, der keine Gnade kenÂnt, der den rechtÂen Weg vorgibt und womÂöglich sogÂar vorbesÂtimmt, wen er auf diesen rechtÂen Weg schickt. Ein zweites Motiv ist eine EndzeitÂstimÂmung, mit der ein hoher EntscheiÂdungsÂdruck einÂhergeÂht. «JetÂzt wird die Spreu vom Weizen getrenÂnt, und du musst beim Weizen sein.» So, als würde die gesamte WeltÂgeschichte auf diesen Moment hinÂlaufen. Die religiös Radikalen sehen sich an vorderÂster Front steÂhend und im AufÂtrag Gottes hanÂdelÂnd.
Einige dieser Motive gelÂten für verÂschiedeÂnen ReliÂgioÂnen, während andere spezÂiÂfisch für besÂtimmte ReliÂgioÂnen gelÂten. So gibt es im Koran den sogeÂnanÂnten SchwÂertvers (Sure 9:5), der zur VerÂfolÂgung der UngläuÂbiÂgen aufruft. Radikale MusÂlime sehen darin einen AufÂtrag zum gewaltÂsamen DschiÂhad. Andere MusÂlime verÂsteÂhen «DschiÂhad» dageÂgen im Sinne eines RückÂzugsradikalisÂmus, also bezoÂgen auf die eigene FrömÂmigkeit. Wir könÂnen fesÂthalÂten: Alles hängt vom Gebrauch ab, den man von religiösen MotivÂen macht. Sie könÂnen als VerÂsatzstücke oder Ressourcen herangeÂzoÂgen werÂden, um radikale HalÂtunÂgen mit Inhalt zu füllen. Sie könÂnen in ein radikales DenksysÂtem eingeÂbaut werÂden. Aber diese Motive sind nicht an sich funÂdaÂmenÂtalÂisÂtisch und könÂnen auch anders ausÂgelegt werÂden.
Was kann man tun, um einen radikalisierten Mensch zurück in die Gesellschaft zu holen?
BernÂhardt: Was von ExperÂtinÂnen und Experten empÂfohlen wird und mir auch einÂleuchtet, ist, MenÂschen zu inteÂgriÂeren, also sie mit VerÂantÂworÂtung zu betrauen, ihnen AufÂgaben zu geben, ihnen AnerkenÂnung zu geben, ihnen das Gefühl zu geben: «Diese Gesellschaft will dich, du hast hier deinen Platz, du musst ihn dir nicht erkämpfen, er ist dir gegeben.» Den MenÂschen mit OffenÂheit und AufÂnahÂmeÂbereÂitschaft begegÂnen, ihnen InteÂgraÂtionsangeÂbote machen. Das ist aber auch kein AllÂheilmitÂtel.
Welche Rolle spielt die Medienberichterstattung für die Wahrnehmung radikalisierter Religion?
BernÂhardt: Sie spielt eine wichtige Rolle, und zwar dahingeÂhend, dass sie ReliÂgion und hier besonÂders den Islam vorzugsweise von radikalen RanÂderÂscheiÂnÂunÂgen her, als UnterÂstützerin von Gewalt, darstellt. Damit geben die MediÂen den ReliÂgionÂskriÂtikÂern immer wieder neue Nahrung, und das wiederum führt dazu, dass religiöse MenÂschen in die DefenÂsive gedrängt werÂden und meinen, sich wehren zu müssen. Bei manchen von ihnen kann das zur Radikalisierung führen. Auf der anderen Seite wird kaum darüber berichtet, dass es auch viele religiöse Autoritäten – in Moscheen, in KirchgeÂmeinÂden, wo auch immer – gibt, die die friedliche Seite ihrer ReliÂgion betoÂnen. Sie leisÂten wichtige MulÂtiÂpÂlikaÂtorenÂdiÂenÂste. Aber das interÂessiert die MediÂen weniger. Diese einÂseitÂige BerichterÂstatÂtung und die SenÂsaÂtionÂsÂgiÂer, die damit verÂbunÂden ist, sind ein grossÂer Teil des ProbÂlems.
«InsÂgeÂsamt sieht man, wie viele Gesichter das Phänomen der Radikalität hat. Es ist eigentlich nicht sinÂnvoll, dafür nur den einen Begriff zu verÂwenÂden. Und trotzÂdem braucht es irgendÂwie einen allÂgeÂmeinen Begriff, weil sich die Phänomene dann doch wieder ähneln.»
Wenn wir an religiöse Radikalisierung denken, kommen uns als erstes Dschihadisten in den Sinn. Gibt es in der Schweiz auch Christinnen und Christen, die sich radikalisieren?
BernÂhardt: Ja klar. Es gibt ChristinÂnen und ChrisÂten in der Schweiz, in evanÂgeÂlikalen und charisÂmaÂtisÂchen GemeinÂden, die in ihrer FrömÂmigkeit radikal sind und eine Art «HeilsegoÂisÂmus» vertreten. Ihr MotÂto: «Wenn du zu Gott komÂmen willst, dann ist das der einzige Weg, auf den musst du gehen.» In diesem ZusamÂmenÂhang wird immer Johannes 14,6 zitiert: «Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; nieÂmand kommt zum Vater aussÂer durch mich.» In diesen evanÂgeÂlikalen GrupÂpen findÂet sich ein RadikalisÂmus, der nichts mit PoliÂtik oder Gewalt am Hut hat, der aber gegenüber den MitÂgliedern der eigeÂnen GemeinÂschaft sehr restrikÂtiv sein kann. Er will über sämtliche LebensÂbereÂiche besÂtimÂmen, bis hin zur KonÂtrolle des SexÂuÂallebens oder der GesinÂnung. Das steÂht eigentlich allem entÂgeÂgen, was christlichen Glauben ausÂmacht. Denn Glaube ist VerÂtrauen und VerÂtrauen ist mit Zwang unvereÂinÂbar. Für manche MenÂschen ist das ModÂell dieser GrupÂpierunÂgen attrakÂtiv. Sie haben das Gefühl: «Da kümÂmert sich jemand um mich.» Und das ist oft ja auch tatÂsächÂlich der Fall. Eine NachÂbarin von mir sagte, dass die evanÂgeÂlisÂche KirchgeÂmeinde sich, als sie hierÂhergeÂzoÂgen ist, in keinÂster Weise um sie gekümÂmert habe. MitÂglieder einÂer Freikirche hingeÂgen kamen und haben nach ihr geschaut. Für manche MenÂschen in einÂer besÂtimmten LebenÂsphase kann das sehr hilÂfreÂich sein, wenn sie in solchen GrupÂpierunÂgen Halt findÂen. Vor allem Jugendliche, die auf der Suche nach der eigeÂnen IdenÂtität sind, schliessen sich gern diesen GemeinÂschaften an. AllerdÂings gehen sie dann auch wieder, wenn sie das Gefühl haben, dass sie dort immer das GleÂiche hören. IrgendÂwann reicht ihnen das nicht mehr, weil es intellekÂtuell doch sehr bescheiÂden sein kann, was dort geboten wird. Und dann ziehen sie auch wieder weitÂer.
ProbÂlemaÂtisch wird es, wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, sich von der Gruppe zu trenÂnen, wenn die Aussteiger einÂer Art VerÂfolÂgung ausÂgeÂsetÂzt werÂden.
Konkrete MassÂnahÂmen gegen Radikalisierung in der Schweiz
Die Geschäftsstelle des SicherÂheitsverÂbunds Schweiz hat zusamÂmen mit BehörÂden aus dem Bund, den KanÂtoÂnen und den GemeinÂden sowie Wissenschaftlern/innen 2022 den «Nationalen AktionÂsÂplan der Schweiz zur VerÂhinÂderung und BekämpÂfung von Radikalisierung und gewaltÂtätigem ExtremÂisÂmus» erstellt. Der Plan konzenÂtriÂert sich auf PrävenÂtion, Schutz und KrisenÂvorÂsorge und legt besonÂderen Wert auf die ZusamÂmeÂnarÂbeit zwisÂchen den BehörÂden und die EinÂbindung der Gesellschaft. Daraus ergeben sich vier WirkungsÂfelder mit verÂschiedeÂnen konkreten MassÂnahÂmen. 1. ErkenÂnen und VerÂminÂderung von RadikalisierungÂsurÂsachen, 2. SenÂsiÂbilÂisierung und Erhöhung des WisÂsensÂstands, 3. VerÂnetÂzung und InforÂmaÂtionÂsÂmanÂageÂment, 4. InterÂvenÂtioÂnen bei gefährdeÂten und radikalisierten PerÂsoÂnÂen.


