Seelsorge in Zeiten von Corona

  • Soziale Kon­tak­te ver­mei­den, möglichst allein bleiben. Damit kommt nicht jed­er klar. Das spüren beson­ders auch die Seel­sorg­er im Land.
  • Sollen in dieser Sit­u­a­tion auch die per­sön­lichen Seel­sorgege­spräche von Angesicht zu Angesicht aus­bleiben? Hor­i­zonte hat beim Bis­tum Basel und bei Betrof­fe­nen nach Antworten gesucht.
 Durch die Aus­bre­itung des Coro­na-Virus’ ist das kirch­liche Leben stark eingeschränkt. Gottes­di­en­ste mit Besuch­ern sind ver­boten, stattdessen gibt es dig­i­tale, geistliche Ange­bote. Das Bis­tum Basel hat Ende Feb­ru­ar erste Empfehlun­gen für das kirch­liche Leben her­aus­gegeben. Kurze Zeit später wur­den daraus Mass­nah­men – heute, knapp zwei Monate später, sind es gar Weisun­gen.

Zehn Kantone, unterschiedliche Voraussetzungen

Kan­zler Thomas Jann vom Bis­tum Basel hat die Sicher­heits­bes­tim­mungen während der let­zten Wochen gemein­sam mit der Task­force des Bis­tums Basel für das kirch­liche Leben aus­gear­beit­et. «Wir sind ein Bis­tum mit zehn ver­schiede­nen Kan­to­nen, das war am Anfang recht schwierig», sagt er. «Jet­zt, wo der Bund ver­sucht, möglichst ein­heitliche Mass­nah­men für die gesamte Schweiz her­auszugeben, wird’s hof­fentlich ein­fach­er für uns.»Thomas Jann ergänzt mit dem Beispiel ein­er Abdankung: «Bei Bestat­tun­gen im Bis­tum Basel empfehlen wir, grund­sät­zlich nur im eng­sten Fam­i­lienkreis auf dem Fried­hof Abschied zu nehmen. Der Kan­ton Aar­gau erlaubt jedoch auch Abdankun­gen in den Kirchen mit max­i­mal 15 Per­so­n­en. Es bleibt ein klein­er Spiel­raum, den die Seel­sorg­er ver­ant­wortet nutzen kön­nen.»

Seelsorge hat telefonischen Kontakt intensiviert

Doch ger­ade jet­zt, in Zeit­en von Coro­na, ist das all­ge­meine Ange­bot der Seel­sorge gefragt – stärk­er denn je. Viele ältere Per­so­n­en sind alleine zu Hause. Was, wenn jemand in seinem Allein­sein ein Gegenüber braucht? «Aktiv zu den Leuten zu Besuch gehen wir nicht mehr», erk­lärt Beat Nieder­berg­er, Gemein­deleit­er aus Schöft­land. «Ger­ade, weil wir ja zu älteren Leuten gehen wür­den, die einem hohen Risiko aus­ge­set­zt sind», ergänzt er weit­er.Den tele­fonis­chen  Kon­takt haben die Seel­sorg­er hinge­gen inten­siviert. Vor allem jene, die vorher regelmäs­sig besucht wur­den, wer­den nun von den Seel­sor­gen­den per­sön­lich angerufen. «Die Leute ver­ste­hen, dass wir nicht mehr per­sön­lich nach Hause kom­men kön­nen und schätzen deshalb den Tele­fo­nan­ruf sehr. Da heisst es nicht: <Ah, jet­zt kommt nicht ein­mal mehr der Pfar­rer>», schmun­zelt Beat Nieder­berg­er.

«Ausdruck der Verbundenheit mit Familien»

Auch der Erlins­bach­er Pfar­rer, Beda Baum­gart­ner, weiss, dass momen­tan eine her­aus­fordernde Zeit ist: «Deshalb melde ich mich auch regelmäs­sig bei Fam­i­lien, die ich kenne – ein­fach um ihnen meine Ver­bun­den­heit auszu­drück­en. Man lebt jet­zt nahe aufeinan­der, ist beru­flich und pri­vat sehr gefordert.» Das werde von den Leuten sehr geschätzt, wie Beda Baum­gart­ner weiss: «Die Leute sind dankbar, dass man an sie denkt.»

Bistum: Persönliche Seelsorge ist möglich

Auch das Bis­tum Basel hält an der per­sön­lichen Seel­sorge fest. «Es ist uns ein gross­es Anliegen, dass die Seel­sorge nach wie vor weit­erge­führt wer­den kann. Nach Empfehlun­gen des Bun­des, selb­stver­ständlich. Da sind wir froh, dass die Seel­sorg­erin­nen und Seel­sorg­er das auch in Eigen­ver­ant­wor­tung so machen», erk­lärt Kan­zler Thomas Jann.Mit der Wahrung von genü­gend Abstand und unter fünf Per­so­n­en darf man sich ja auch im pri­vat­en Umfeld tre­f­fen. Deshalb macht auch Beat Nieder­berg­er ab und an eine Aus­nahme: «Wenn jemand ins Pfar­ramt kommt, dann nehme ich ihn schon zu mir für einen Kaf­fee mit dem gebühren­den Abstand natür­lich.» Und auch Beda Baum­gart­ner wurde in Erlins­bach schon von mehreren Leuten in der Kirche ange­sprochen.

Problem: Uneinsichtige Pfarrer

Doch was geschieht, wenn Seel­sor­gende die Weisun­gen des Bis­tums nicht ein­hal­ten? «Wir sind nicht die Polizei», erk­lärt Kan­zler Thomas Jann vom Bis­tum Basel. «Wir kön­nen Mass­nah­men bekan­nt­geben und Empfehlun­gen abgeben; die Ver­ant­wor­tung liegt jedoch bei jedem selb­st», ergänzt er.Und tat­säch­lich hat­te der Kan­zler vor allem zu Beginn der Coro­na-Pan­demie einige Tele­fo­nan­rufe: «Ich kann mich an ein Tele­fon von ein­er Sakris­tanin erin­nern, die gesagt hat, sie bringe ihren Pfar­rer ein­fach nicht dazu, dass er jet­zt auf Mund­kom­mu­nion verzicht­en solle. Ich habe ihr dann emp­fohlen, dass sie ihrem Pfar­rer ins Gewis­sen reden soll. Das hat sie dann gemacht. Ich gehe nun davon aus, dass inzwis­chen auch diese Per­son gemerkt hat, um was es hier geht.»

Seelsorger sehen neue Situation als Chance

All­ge­mein funk­tion­iert, laut Bis­tum Basel, das Ein­hal­ten der Vere­in­barun­gen ganz gut. Die Seel­sor­gen­den gehen teil­weise richtig auf in ihren neuen Auf­gaben: «Tele­fonieren macht mir nichts aus, das liegt mir. Priester­sein bedeutet für mich nicht nur Gottes­di­en­ste feiern, son­dern Gemein­schaft auf­bauen und Beziehun­gen pfle­gen. So komme ich gut klar mit der Sit­u­a­tion», erk­lärt Beda Baum­gart­ner. Und Beat Nieder­berg­er ergänzt: «Ich füh­le mich von den Men­schen nicht abgeschnit­ten. Ich bin jet­zt ein­fach mehr und länger im Pfar­ramt als son­st. Klar ist es schade, dass der inten­sivste Monat des Kirchen­jahres im Grunde nicht stat­tfind­et. Aber so entste­ht auch Freiraum, Pen­den­zen abzuar­beit­en.»
Cornelia Suter
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