«Nur ‹e Tummi ha›, das reicht nicht»

«Nur ‹e Tummi ha›, das reicht nicht»

  • Im Vor­feld der kirchen­ber­hördlichen Gesamterneuerungswahlen im Herb­st 2022 wirbt Hor­i­zonte in los­er Folge für das Engage­ment als Kirchenpfleger. Den Anfang macht Bar­bara Rey aus Bünzen.
  • Seit vier Jahren ist Bar­bara Rey in der Kirchenpflege von Bünzen. Sie wurde auf Anhieb zur Präsi­dentin gewählt.
  • Ein Amt, das sie mit Freude und Stolz ausübt, denn sie will etwas bewe­gen und nicht nur von Aussen kri­tisieren.

Wasser­rohrbruch beim Sakris­ta­nen­haus! Was nach Hor­rorszenario tönt, zaubert Bar­bara Rey, Kirchenpflegepräsi­dentin von Bünzen, ein Lächeln in die Mund­winkel. Das ist nicht falsch zu ver­ste­hen. Die junge Frau ist wed­er schaden­freudig noch ein Adren­a­l­in­junkie. Aber sie blüht auf, wenn ein Prob­lem zu lösen und schnelles Han­deln gefragt ist. «Das war let­ztes Jahr. Mein Kol­lege, der in der Kirchenpflege für die Liegen­schaften zuständig ist, kon­nte nicht von der Arbeit weg. Also musste ich etwas unternehmen.» Und wie meis­tens, wenn Bar­bara Rey «etwas untern­immt», fol­gte ihr ihre Jung­mannschaft, um zu sehen, was da läuft.

Mitmachen, um zu ändern

Vier Kinder haben Bar­bara und Dani Rey-Grod. Die Fam­i­lie lebt zusam­men mit Zwergschnau­zer Ide­fix in einem Ein­fam­i­lien­haus am Rande des Freiämter Dor­fes Besen­büren. Gemein­sam mit der Nach­bars­ge­meinde Bünzen bildet Besen­büren die Pfar­rei Bünzen. Diese gehört zum Pas­toral­raum Muri AG und Umge­bung.

Bar­bara Rey hat als Haus­frau und Mut­ter einen aus­ge­füll­ten Tag. Hinzu kom­men die Pflege des Fam­i­lienpfer­des, das bei einem Bauern im Dorf seinen Stall hat, und der Unter­richt als Kat­e­chetin in zwei Klassen der sech­sten Pri­marstufe. An Beschäf­ti­gung fehlt es Rey weiss Gott nicht. Warum dann noch das Engage­ment als Kirchenpflegerin? «Wie soll man etwas ändern, wenn man nicht mit­macht?», fragt die 41-Jährige zurück und fügt an: Â«Nur ‹e Tum­mi ha›, aber sel­ber nichts beitra­gen, das geht nicht.»

Viel Schönes erfahren

Broschüre der Landeskirche

Die Römisch-Katholis­che Kirche im Aar­gau erläutert in ihrer neuen Broschüre «Eine starke Basis für eine starke Kirche» gut nachvol­lziehbar die ver­schiede­nen Auf­gaben ein­er Kirchenpflege. Die Broschüre lässt sich direkt von der Web­site der Lan­deskirche run­ter­laden oder auch in gedruck­ter Form über die Mailadresse bestellen.

Ange­fragt wurde sie vor vier Jahren von einem Nach­barn. «Er sagte, sie wür­den jeman­den suchen für die Kirchenpflege. Ich fand die Idee, da mitzu­machen, noch cool. Als ich ihm das sagte, meinte er: ‹Dann kannst du gle­ich Präsi­dentin wer­den.› Da war ich schon ein biss­chen baff.» Nach­dem sie auf behördlich­er Seite schon acht Jahre Erfahrung gesam­melt hat­te als Mit­glied der Finanzkom­mis­sion und auch auf pas­toraler Seite als Team­mit­glied der Kinder­feiern aktiv war, traute sie sich den Schritt in die Kirchenpflege dur­chaus zu.

Trotz­dem besprach sie sich erst ein­mal mit ihrer Fam­i­lie, tauschte sich mit Bekan­nten aus und fragte auch noch Diakon und Pfar­reiseel­sorg­er Francesco Mar­ra nach sein­er Mei­n­ung. Das Ergeb­nis all dieser Gespräche ist heute eine zufriedene Kirchenpflegepräsi­dentin, die in den ver­gan­genen Jahren viel gel­ernt und noch mehr Schönes erfahren hat: «Ja natür­lich, man muss in diesem Amt schon etwas von sich geben, aber man bekommt dafür noch viel mehr zurück.»

Auch pastorale Aufgaben

In Bünzen gibt es keinen Pfar­reirat. So übern­immt die Kirchenpflege auch Auf­gaben, die son­st eher in den pas­toralen Bere­ich gehören. Das führt zu einem noch engeren Aus­tausch mit den Gemein­demit­gliedern und lässt die Gren­zen zwis­chen den zwei Seit­en des dualen Sys­tems beina­he ver­schwinden. «Ger­ade für meine Arbeit als Kat­e­chetin ist es sehr wertvoll, dass ich die staatskirchen­rechtliche Seite mit ihren Möglichkeit­en und Notwendigkeit­en eben auch kenne», sagt Rey, die schon bald mit ihrer Aus­bil­dung zur Kat­e­chetin For­mod­u­la begin­nt.

Mit Freude erin­nert sich Rey an den Erntedankgottes­di­enst mit Trak­torenseg­nung im ver­gan­genen Jahr: «Endlich durften wir wieder einen Apéro nach dem Gottes­di­enst aus­richt­en. Man hat richtig gemerkt, wie sehr das den Leuten gefehlt hat in dieser Coro­n­azeit.» Zwölf Sitzun­gen pro Jahr und etwa eine Stunde Arbeit pro Woche empfind­et Bar­bara Rey nicht als Pflicht, son­dern als wohltuen­den Beitrag zum guten Miteinan­der in der Gemeinde.


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Christian Breitschmid
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