Die Freude an der Arbeit bewahren

Die Freude an der Arbeit bewahren

  • Die Arbeit auf dem Pfar­reisekre­tari­at ist viel­seit­ig und abwech­slungsre­ich.
  • Doch auch die Stress­fak­toren sind zahlre­ich: viele Unter­brechun­gen, wach­sende Pen­den­zen­lis­ten, häs­sige Leute am Tele­fon, schwierige Team­si­t­u­a­tio­nen und das Gefühl, sich recht­fer­ti­gen zu müssen, dass man in dieser Kirche über­haupt noch arbeit­et. 
  • Die Weit­er­bil­dung «Mit Freude arbeit­en – acht­sam sein mit sich selb­st» des Vere­ins der Pfar­reisekretärin­nen in der Prop­stei Wis­likofen ver­mit­telte den Teil­nehmerin­nen Tipps und Tricks, wie sie schwierige Sit­u­a­tio­nen bei der Arbeit gelassen bewälti­gen.


Thomas Jenel­ten schraubt den Deck­el von der Min­er­al­wasser­flasche und schenkt sich ein. Bis zur Hälfte füllt er sein Glas, dann blickt er prüfend in die Runde: «Ist das Glas nun hal­b­voll oder hal­bleer?» Nun tendiert jed­er, je nach Leben­se­in­stel­lung, entwed­er zur pos­i­tiv­en oder zur neg­a­tiv­en Sichtweise.

Doch dem Ref­er­enten geht es um etwas anderes. Das Konzept des Selb­st­mit­ge­fühls, das er soeben präsen­tiert hat, sagt: «Es ist bei­des.» Denn die Voraus­set­zung für Selb­st­mit­ge­fühl ist, die Tat­sachen anzuerken­nen. Thomas Jenel­ten ver­mit­telt den im Saal Ver­sam­melten, wie gut es tut, in schwieri­gen Momenten klar zu for­mulieren: «Das ist ger­ade eine sehr müh­same Sit­u­a­tion.» Und dann ergänzt er die entschei­den­den Sätze: «Ich lei­de. Lei­den gehört zum Leben. Ich will gut zu mir sel­ber sein.»

Verein der Pfarreisekretärinnen


Der Vere­in der Pfar­reisekretärin­nen wurde im Jahr 2000 gegrün­det und ist eine Arbeit­nehmeror­gan­i­sa­tion, die ihre Mit­glieder im Zusam­men­hang mit ihrem Beruf unter­stützt und berät. ​Mit­glieder prof­i­tieren von Weit­er­bil­dun­gen, Lohn­ver­gle­ich, Kon­takt- und Aus­tauschmöglichkeit­en sowie ein­er Rechtss­chutzver­sicherung. 

Der Vere­in wird von den Co-Präsi­dentin­nen Béa­trice Demuth und Luzia Joho geführt, Vor­standsmit­glieder sind Beat­rice Siegrist, Uschi Sterl und Emeri­ta Lötsch­er. Die Geschäftsstelle in Zofin­gen betreut Rita von Büren.

Die zweitägige Weit­er­bil­dung in der Prop­stei Wis­likofen find­et noch zweimal statt: 12./13.9.2022 (Anmelde­schluss: 6.6.) und 11./12.1.2023 (Anmelde­schluss: 7.11.).​ Anmel­dung: www.pfarreisekretaerinnen.ch

Erfahrungen teilen


Die Weit­er­bil­dung «Mit Freude arbeit­en – acht­sam sein mit sich selb­st» in der Prop­stei Wis­likofen wurde vom Vere­in der Pfar­reisekretärin­nen organ­isiert. 22 Frauen und ein Mann befassten sich zwei Tage lang mit ihrer per­sön­lichen Lebenssi­t­u­a­tion, disku­tierten in Grup­penge­sprächen, übten sich in Stille und med­i­ta­tiv­en Tech­niken. Dazwis­chen genossen sie sichtlich das Zusam­men­sein unter Gle­ich­gesin­nten. «Es tut gut, mit Men­schen zu sein, die meine Erfahrun­gen teilen und die Sor­gen ein­er Pfar­reisekretärin ver­ste­hen», sind sich die Teil­nehmerin­nen einig.

Anerkennen, was ist


«Hier ist Zeit und Raum dafür, die Brille abzule­gen und sich ehrlich mit sich und sein­er Sit­u­a­tion auseinan­derzuset­zen», sagt Thomas Jenel­ten, der die zwei Tage in der Prop­stei leit­et. Der The­ologe ist Seel­sorg­er im Regionalen Pflegezen­trum Baden, Polizeiseel­sorg­er im Kan­ton Aar­gau und Acht­samkeit­slehrer. Er sagt: «Ich bleibe auch nach diesen zwei Tagen erre­ich­bar, wenn jemand einen zweit­en Schritt braucht.»

Die Weit­er­bil­dung in Wis­likofen hat gezeigt, dass die Arbeit auf dem Pfar­reisekre­tari­at dur­chaus belas­tende Seit­en hat: viele Unter­brechun­gen, Zeit­druck, wach­sende Pen­den­zen­lis­ten, häs­sige Leute am Tele­fon, schwierige Team­si­t­u­a­tio­nen und sich recht­fer­ti­gen müssen, dass man in dieser Kirche über­haupt noch arbeitet.[esf_wordpressimage id=38470 width=half float=left][/esf_wordpressimage]

Zwischen den Fronten


Béa­trice Demuth, Co-Präsi­dentin des Vere­ins der Pfar­reisekretärin­nen, weiss, dass es auf den Pfar­rämtern immer wieder Abgänge wegen Über­las­tung gibt: «Unser Aushil­fe­pool, der in den ver­gan­genen Jahren nur vere­inzelt gefragt war, ist seit einiger Zeit stark aus­ge­lastet.» Noch hät­ten sich in den neu ent­stande­nen Pas­toral­räu­men nicht über­all rei­bungs­los funk­tion­ierende Führungsstruk­turen etabliert. Manche Sekretärin­nen wer­den aufgerieben zwis­chen den zwei Seit­en des dualen Sys­tems, weil sie ein­er­seits Weisun­gen erhal­ten vom Pas­toral­raum­leit­er, ihrem direk­ten Vorge­set­zten, ander­er­seits aber auch von der Kirchenpflege, der anstel­len­den Behörde. Die Weit­er­bil­dung will dazu beitra­gen, dass die Frauen und Män­ner in der wichti­gen «Schaltzen­trale» der Pfar­rei sich die Freude an ihrer Arbeit bewahren kön­nen.

GV am 16. März 2022

Am Mittwoch, 16. März 2022, kon­nte der Vere­in der Pfar­reisekretärin­nen anlässlich der 21. Gen­er­alver­samm­lung das zwanzigjährige Beste­hen (Grün­dungs­jahr 2000) nach­feiern. Im stim­mungsvollen Ambi­ente der Gärt­nerei Hei­ni in Luzern, fand zuerst die offizielle GV, danach der kul­turelle und gesel­lige Teil statt. Dabei wurde, eben­falls mit Ver­spä­tung, die langjährige Präsi­dentin Ruth Hun­zik­er ver­ab­schiedet. Statutenän­derun­gen, die erlauben, ein Co-Prä­sid­i­um zu führen, wur­den angenom­men, so dass nun Béa­trice Demuth und Luzia Joho das Präsi­dentin­nenamt teilen. Neue Mit­glieder des Vere­ins, die zur GV gekom­men waren, erhiel­ten ein kleines Willkom­mensgeschenk.

Marie-Christine Andres Schürch
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