Das Wohl der Tiere hängt am Geldbeutel

Das Wohl der Tiere hängt am Geldbeutel

Herr und Frau Schweiz­er essen gern Fleisch. Je länger je mehr «gutes Fleisch», von dem man weiss, wo es herkommt. Immer mehr Kon­sumentin­nen und Kon­sumenten beschäfti­gen sich mit ethis­chen Fra­gen rund um Tier­hal­tung und Massen­schlach­tung. Das Fleisch direkt beim Bauern zu beziehen, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Bauer Ste­fan Brändli legt eine dif­feren­zierte Sicht vor.Ste­fan Brändli hält als Bauer im Schnitt 25 bis 30 Aufzuchtrinder. Diese wer­den im Win­ter im Lauf­stall und im Som­mer auf der Wei­de gehal­ten. Der Betrieb ver­fügt über zwanzig Hek­taren Land, von denen elf als Wei­de­land und für den Fut­ter­an­bau dienen. Der Hof erfüllt den Ökol­o­gis­chen Leis­tungsnach­weis des Bun­des und die Richtlin­ien des Labels «IP Suisse». Dieses verbindet zum Teil biol­o­gis­che und kon­ven­tionelle Meth­o­d­en.Men­sch und Tier haben eine Auf­gabe Was bedeuten dem Bauern seine Hoftiere? «Sie sind gle­ich­berechtigte Part­ner, einge­bun­den in den Kreis­lauf der Natur», betont Ste­fan Brändli. In sein­er Jugend habe man auss­chliesslich Hoftiere gekan­nt: Dazu gehörten Kühe, Schweine, Hüh­n­er, Katzen, Hunde, Geis­sen, Kan­inchen. «Men­schen und Tiere hat­ten ihre Auf­gaben und das Woh­lerge­hen aller hing voneinan­der ab.» Für Ste­fan Brändli ist die heutige Eier- und Fleis­ch­pro­duk­tion in den geforderten Men­gen schwierig. Dies mit Blick auf die Würde der Tiere. Ste­fan Brändli lebt von und mit seinem Glauben. Hat dieser Ein­fluss auf seine Arbeit? «Eigentlich nicht», meint der Land­wirt. Aber mein Leben und Wirken ist mit dem Kreis­lauf der Natur fest ver­bun­den. Das prägt.»Kri­tis­che Anfra­gen Ste­fan Brändli plädiert für mehr Tier­schutz. Für alles, «was sie ein art­gerecht­es, nor­males Leben ermöglicht.» Dazu gehört auch der Schutz vor Schmerzen. Doch wer bezahlt es? Eine Schweiz­er Bauern­fam­i­lie muss heute min­destens 40 bis 50 Kühe hal­ten, um über die Fleis­ch­pro­duk­tion ein aus­re­ichen­des Einkom­men erzie­len zu kön­nen. «Das Wach­s­tum geht auch in der Land­wirtschaft weit­er, so Ste­fan Brändli. «Etliche Betriebe haben bere­its 100 Kühe. In Ameri­ka gibt es Far­men mit 500 oder gar 1000 Tieren.» Bei diesen Zahlen kön­nten sich die Ver­ant­wortlichen nicht mehr um jedes einzelne Tier küm­mern, gibt der Bauer zu bedenken. Und er stellt die Frage, wie es um den Tier­schutz bei Importen und bei der Klein­tier­hal­tung ste­he. Viele Men­schen küm­merten sich nach wie vor zu wenig darum und kauften bil­lige, frag­würdi­ge Pro­duk­te. Der Bezug zur Pro­duk­tion sei kaum mehr vorhan­den.Idylle ver­sus Real­ität Beim Umgang mit Lebens­mit­teln, nicht nur beim Fleisch, wün­scht sich Brändli mehr Inter­esse an Infor­ma­tion, mehr Sorgfalt und Respekt. «Die Wer­bung zeigt gerne idyl­lis­che Bilder. Viele wün­schen sich, dass Tiere so gehal­ten wer­den. Doch diese Bilder zeigen nicht die Real­ität.» Tier­schutz ist abhängig vom Stan­dort des Betra­chters und wird ver­schieden gewichtet, meint Ste­fan Brändli. Wer Nutztiere halte oder indus­trielle Tier­hal­tung betreibe, der Hun­de­hal­ter, die Stadt­be­wohner­in mit ihrem Klein­tier, die Veg­e­tari­er oder Per­so­n­en ohne Geld: Alle hät­ten sie unter­schiedliche Sichtweisen und Pri­or­itäten.Chris­tiane Faschon/aj
Redaktion Lichtblick
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