Ein «Handabdruck» für Veränderung

Ein «Handabdruck» für Veränderung

  • Die Zeit drängt, der Kli­mawan­del ver­schärft sich. Die Fas­ten­zeit soll uns alle zum Han­deln motivieren.
  • In der Schweiz organ­isieren die drei Hil­f­swerke der drei Lan­deskirchen die Kam­pagne gemein­sam.
  • Das forum Pfar­rblatt Zürich wollte wis­sen, was hin­ter der Öku­menis­chen Kam­pagne steckt und war dafür zu Besuch beim Kam­pag­ne­nate­lier im Mai 2023.

Andrea Gisler und Simon Weber ste­hen vorne und präsen­tieren «den Hand­ab­druck», eine jen­er Ideen, die für die Kam­pagne 2024 wichtig wer­den soll. Diese ein­fache Szene ist ganz typ­isch für die Öku­menis­che Kam­pagne: Sie arbeit­et beim römisch-katholis­chen Hil­f­swerk Fas­te­nak­tion, er beim evan­ge­lisch-reformierten Hil­f­swerk HEKS, gemein­sam ver­ant­worten die bei­den den Fach­bere­ich The­olo­gie und Sen­si­bil­isierung. Betra­chtet man die gesamte Öku­menis­che Kam­pagne, wird es noch vielfältiger: reformiert, römisch-katholisch, christkatholisch, deutsch, franzö­sisch, ital­ienisch, schweizweit und inter­na­tion­al ver­net­zt. Das gemein­same Ziel für 2024 ist es, in der Fas­ten­zeit in der ganzen Schweiz Men­schen zum Han­deln zu motivieren, denn: Die Zeit drängt, der Kli­mawan­del ver­schärft sich, beson­ders betrof­fen sind die Men­schen im glob­alen Süden. 

So entsteht die Ökumenische Kampagne

[esf_wordpressimage id=48370][/esf_wordpressimage]Die Öku­menis­che Kam­pagne in der Schweiz ist weltweit die einzige, bei der alle drei Lan­deskirchen zusam­me­nar­beit­en. Sie wurde 2009 von der Arbeits­ge­mein­schaft der christlichen Kirchen der Schweiz mit dem Label Oec­u­meni­ca als vor­bildlich­es öku­menis­ches Pro­jekt aus­geze­ich­net.

Ermutigung ist die Botschaft

«Wir hier in der Schweiz kön­nen etwas tun!» Andrea Gisler sagt es deut­lich. Ihr Ker­nan­liegen sei es näm­lich, Möglichkeit­en zum Han­deln aufzuzeigen, und nicht, die Res­ig­na­tion zu ver­stärken. Darum auch «der Hand­ab­druck». Die Idee ist eine Weit­er­en­twick­lung des «ökol­o­gis­chen Fuss­ab­drucks», allerd­ings eine, die ins Pos­i­tive gewen­det wird. Andrea Gisler verdeut­licht den Unter­schied: «Wenn ich selb­st mit dem Fahrrad fahre, statt das Auto zu nehmen, dann verkleinere ich meinen ökol­o­gis­chen Fuss­ab­druck.» Beim Hand­ab­druck gehe es nun darum, diesen zu ver­grössern: «Wer sich zum Beispiel dafür ein­set­zt, dass ein Fahrrad­stän­der in der Wohn­sied­lung gebaut wird, erle­ichtert es auch anderen, das Fahrrad zu nehmen.» Simon Weber nimmt ihre Worte auf: «Beim Hand­ab­druck geht es also darum, nicht mehr nur auf meinen Verzicht zu fokussieren – son­dern auf die Gemein­schaft und unsere Möglichkeit­en.»

Simon Weber und Andrea Gisler sprechen an diesem Tag am Kam­pag­ne­nate­lier zu mehr als 30 Men­schen, die sich in Vil­lars-sur-Glâne im Kan­ton Freiburg einge­fun­den haben. Sie alle arbeit­en bei einem der drei Hil­f­swerke und wer­den das, was sie heute hören, in ihre Arbeit, in ihre Sprachre­gio­nen und in die jew­eilige Umset­zung der Kam­pagne mit­nehmen. Es ist Mai 2023 – am Ascher­mittwoch, also im Feb­ru­ar 2024 wird diese Kam­pagne dann an den Start gehen. Heute wird erst ein­mal präsen­tiert und disku­tiert, mit Café in der Hand und ohne, pausen­los sozusagen. Die Freude über manch­es Wieder­se­hen unter Kol­legin­nen und Kol­le­gen ist spür­bar, und das Anliegen, für die Sache etwas vor­wärt­szubrin­gen. Allen scheint klar zu sein: Es geht nur gemein­sam. 

Verschieden und gemeinsam

Neun Per­so­n­en sind es, die als Kern­team beständig für die Kam­pagne arbeit­en, weit­ere 25 sind immer wieder punk­tuell damit beschäftigt. Was sie miteinan­der schaf­fen, ist nicht selb­stver­ständlich. Wer die Team­sitzun­gen und Ver­net­zungs­grup­pen das Jahr über beobachtet – die meis­ten davon sind dig­i­tal – erlebt diskus­sions­freudi­ge und kon­sens­fähige Men­schen, die einan­der zuhören kön­nen, die sich auch wider­sprechen. Die an ihrem The­ma dran­bleiben, Gedanke­nar­beit und Herzblut investieren, um andere zum Han­deln zu bewe­gen. Dabei zieht sich der Prozess über Monate. Und dahin­ter ste­hen Organ­i­sa­tio­nen, die bei allem Wun­sch nach Gemein­samkeit auch hier­ar­chisch funk­tion­ieren. Die Leitung der Öku­menis­chen Kam­pagne haben Elke Fass­ben­der von HEKS und Matthias Dör­nen­burg von Fas­te­nak­tion eben­falls gemein­sam. Wie wer­den Entschei­dun­gen getrof­fen? «Mit grösst­möglich­er Par­tizipa­tion», sagt Matthias Dör­nen­burg und ergänzt: «Gle­ichzeit­ig braucht es zwis­chen­durch eine Kom­mu­nika­tion­shier­ar­chie.» Elke Fass­ben­der drückt es so aus: «Der Rah­men wird ‹top­down› geset­zt, die Details und die Umset­zung entschei­den die jew­eili­gen Fach­per­so­n­en miteinan­der.»

Kultur der Mitgestaltung

Wie erleben die Beteiligten ihre Zusam­me­nar­beit? Nas­souh Toutoun­gi schätzt «die Kul­tur in den Hil­f­swerken, dass alle mit­gestal­ten». Auch wenn das christkatholis­che Hil­f­swerk «Part­ner sein» weit weniger Ressourcen ein­brin­gen könne, als die bei­den anderen, füh­le er sich »nicht als Junior Part­ner, son­dern gle­ich­w­er­tig geschätzt». Andrea Gisler sieht die «Gesprächs­bere­itschaft und Zielo­ri­en­tierung» als Voraus­set­zun­gen, eine der­ar­tige Kam­pagne auf die Beine zu stellen. Seli­na Stadler meint lachend: «Ich hätte nicht gedacht, was dieser Prozess alles bein­hal­tet.» Für Matthias Dör­nen­burg ist es «wahnsin­nig span­nend, dass eine Idee in einem Neben­satz entste­ht, die immer gröss­er und konkreter wird und von der man dann ihre Umset­zung erlebt». So sei es dies­mal zum Beispiel bei der Idee des Hand­ab­drucks gewe­sen. Elke Fass­ben­der ist überzeugt: «Gemein­sam entste­hen Dinge, die wirk­lich gut sind.»

Marie-Christine Andres Schürch
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