Freiwillige sind Mangelware

Freiwillige sind Mangelware

  • Viele gute Werke im Kirchenaar­gau sind nur mach­bar dank Frei­willi­ge­nar­beit.
  • Das weiss kaum​ jemand bess­er als Isabelle Oder­matt, Koor­di­na­torin der Frei­willi­ge­nar­beit bei Car­i­tas Aar­gau.
  • In vie­len Pro­jek­ten der Car­i­tas Aar­gau fehlen aber immer noch die unverzicht­baren frei­willi­gen Helfer.

Laut Sta­tis­tik leis­tet die Schweiz­er Bevölkerung jedes Jahr mehr als 664 Mil­lio­nen Stun­den Frei­willi­ge­nar­beit. Das sind pro Ein­wohn­er fast zwei Stun­den pro Woche, die er oder sie dafür ein­set­zt, der Gesellschaft einen unent­geltlichen Dienst zu erweisen. Ein sys­te­mer­hal­tender Dienst nota bene, denn solche Frei­willi­ge­nar­beit ent­lastet die staatlichen und kan­tonalen Sozial­dien­ste nach­haltig.

Viele gemein­nützige Organ­i­sa­tio­nen sind auf diese Art der prak­tis­chen Unter­stützung angewiesen. Etwa die Car­i­tas Aar­gau, die in Zusam­me­nar­beit mit der Lan­deskirche und von dieser auch finanziell mit­ge­tra­gen ein bre­ites Ange­bot an Hilfs‑, Beratungs- und Begleit­pro­jek­ten anbi­etet für sozial benachteiligte und von Armut betrof­fene Men­schen. Eine Klien­tel, die sich durch die Auswirkun­gen der Coro­n­a­pan­demie in Zukun­ft noch ver­grössern dürfte.

Gerne Längerfristig

[esf_wordpressimage id=34367 width=half float=right][/esf_wordpressimage]Die stolzen sta­tis­tis­chen Zahlen dür­fen aber nicht darüber hin­wegtäuschen, dass Frei­willige in vie­len Bere­ichen immer noch Man­gel­ware und daher sehr gesucht sind, auch im Aar­gau. Isabelle Oder­matt, die bei Car­i­tas Aar­gau für die Koor­di­na­tion der Frei­willi­ge­nar­beit ver­ant­wortlich zeich­net, sagt ganz klar: «Wir sind nach wie vor auf der Suche nach Frei­willi­gen. Vor allem suchen wir Leute, die dazu bere­it sind, sich auch länger­fristig zu engagieren.»

Oder­matt will zwar nicht kla­gen, denn «für die Car­i­tas Aar­gau sind mehr als 400 Frei­willige im Ein­satz, und das sind alles ganz tolle, engagierte Leute!» Aber den­noch sei es eine Tat­sache, dass «die Nach­frage für Unter­stützung viel gröss­er ist als das Ange­bot an Frei­willi­gen.»

Deutsch und Wohnstart

Im weit­eren nen­nt Isabelle Oder­matt dann auch gle­ich die Orte, wo der Bedarf beson­ders gross ist. Für das Pro­jekt «Mit Deutsch unter­wegs», wo Frei­willige mit Migranten Deutsch direkt im All­t­ag ler­nen, sind für die Region Aarau noch gut 50 Ein­satzfreudi­ge gesucht. Auch das Men­tor­ingro­jekt «Wohn­start» braucht noch 15 weit­ere Frei­willige, die als prak­tis­che Rat­ge­ber bei Flüchtlings­fam­i­lien und Einzelper­so­n­en rund um das The­ma Wohnen Hil­fe zur Selb­sthil­fe leis­ten. «Man kann als Men­torin oder Men­tor in diesem Pro­jekt eine oder auch mehrere Fam­i­lien besuchen», erläutert Oder­matt. «Je nach Bedarf sind das zwei bis drei Besuche pro Fam­i­lie in einem hal­ben Jahr. Dabei geht es auss­chliesslich um The­men, die mit dem Wohnen hier in der Schweiz zu tun haben, ganz prak­tis­che Dinge wie Benutzung der Waschküche, Hau­sor­d­nung, lüften, Ruhezeit­en oder Nach­barschaft­spflege.»

Weit­ere neun Frei­willige sucht das Pro­jekt «Weg­be­gleitung», ins­beson­dere in den Regio­nen Mutschellen-Reusstal-Wohlen, Baden-Wet­tin­gen-Mellin­gen sowie Zofin­gen und Umge­bung. Ein öku­menis­ches Ange­bot, das unter­stützt wird von der Römisch-Katholis­chen und Reformierten Kirche im Aar­gau.

Nähen und Kinderbetreuung

Die «Weg­be­gleit­er» sind Frei­willige, die Men­schen in schwieri­gen Lebenssi­t­u­a­tio­nen für eine befris­tete Zeit zur Seite ste­hen. In ein­er Ein­satzvere­in­barung wer­den Inhalt, Ziel, Rhyth­mus sowie Anfang und Ende ein­er solchen Weg­be­gleitung fest­ge­hal­ten. Weg­be­gleit­er sind aber let­ztlich alle Frei­willi­gen, die sich bei der Car­i­tas Aar­gau ein­set­zen. Etwa auch die Frauen, die sich in einem der Caritas_Nähateliers in Baden-Dät­twil, Aarau oder Wohlen engagieren wollen. «Für Aarau und Wohlen suchen wir drin­gend noch je zwei bis drei lei­den­schaftliche Näherin­nen», betont Oder­matt in diesem Zusam­men­hang. Die Nähate­liers der Car­i­tas Aar­gau richt­en sich an Frauen, die gerne nähen, flick­en, ändern, aber keine Näh­mas­chine besitzen. Für die Besucherin­nen ste­hen Näh­maschi­nen, Bügeleisen, Stoffe und Fäden bere­it. Geführt wer­den die Nähate­liers von frei­willi­gen Fach­frauen, die bei Fra­gen rund ums Nähen und Flick­en behil­flich sind.

Zwei weit­ere Frei­willige sucht auch noch der Meet­ing Point in Widen, für die Kinder­be­treu­ung am Don­ner­sta­gnach­mit­tag, jew­eils von 15:30 bis 17:30 Uhr. Die Meet­ing Points sind Tre­ff­punk­te für Frauen aus unter­schiedlichen Kul­turen, die sich regelmäs­sig tre­f­fen, um über die The­men zu sprechen, die sie inter­essieren und dabei ihr Deutsch zu verbessern. Diese Tre­f­fen sind Bestandteil des Kan­tonalen Inte­gra­tionspro­gramms (KIP) des Kan­tons Aar­gau, geführt von der Car­i­tas Aar­gau in Zusam­me­nar­beit mit den Kirch­lichen Regionalen Sozial­dien­sten (KRSD) vor Ort.

Sprachtalente Gesucht

Vor allem auch für Über­set­zer­di­en­ste, beson­ders in den Sprachen Ital­ienisch, Spanisch, Por­tugiesisch, Kroat­isch und Englisch, brauchen Car­i­tas Aar­gau und die Kirch­lichen Regionalen Sozial­dien­ste min­destens 15 weit­ere Frei­willige. Sprach­be­gabte, hil­fs­bere­ite Men­schen sind eben­so gefragt bei der Online-Hil­fe, der Begleitung beim Gang auf die Ämter und in admin­is­tra­tiv­en Belan­gen.

Und noch ein Pro­jekt liegt Isabelle Oder­matt beson­ders am Herzen, das Pro­jekt «mit mir» Paten­schaften, das immer auf der Suche nach passenden Pat­en ist. In schwieri­gen Fam­i­lien­si­t­u­a­tio­nen fehlt es Kindern oft an Aufmerk­samkeit und Unter­stützung durch die Eltern, die Freizeit bietet häu­fig wenig Anre­gun­gen. Hier set­zt das Pro­jekt «mit mir» Paten­schaften an. Es ver­mit­telt Kindern aus belasteten Fam­i­lien frei­willig tätige Got­ten und Göt­tis, die für sie da sind und sie auf einem Stück ihres Lebenswegs begleit­en.

Auf www.caritas-aargau.ch erfährt man alles über die ver­schiede­nen Pro­jek­te.

Haben Sie Lust, sich frei­willig zu engagieren? Auf der Web­site der Car­i­tas Aar­gau erfahren Sie was, wann und wo.

Weit­ere Auskün­fte erteilt Isabelle Oder­matt gerne unter 062 837 06 10 oder .

Christian Breitschmid
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