Fünf Papamobile und 500 Soldaten

Nach Johannes Paul II. und Benedikt dem XVI. reist am Frre­itag, 12. Feb­ru­ar, nun auch Papst Franziskus nach Mexiko. Angesichts des dort wüten­den Dro­genkriegs trifft die Regierung hohe Sicher­heitsvorkehrun­gen. Ins­beson­dere, weil Franziskus als volk­snah gilt und sich bewusst an die Rän­der der Gesellschaft wagt.«Der Papst muss die mexikanis­che Real­ität ken­nen­ler­nen», erk­lärte der Bischof von Saltil­lo der Zeitung «La Jor­na­da» mit Blick auf den bevorste­hen­den Beuch des Ober­haupts der Römisch-Katholis­chen Kirche. Man könne Franziskus natür­lich schon Tänz­er und Musik­grup­pen präsen­tieren. Wichtiger sei es aber, dass er um die wahren Prob­leme in Mexiko wisse und wie die Men­schen dort leben. Dass in Mexiko ein blutiger Dro­genkrieg tobt, wird der Papst in der von den Dro­genkartellen beson­ders umkämpften Unruhe­p­rov­inz Michoa­can beson­ders spüren. Zusät­zlich zu den ohne­hin umfan­gre­ichen Sicher­heits­mass­nah­men wer­den dort 500 Sol­dat­en für seinen Schutz sor­gen. Weit­er wird Franziskus in Mexiko ins­ge­samt fünf Papamo­bile nutzen, um rund 400 Kilo­me­ter Wegstrecke auf den Strassen Mexikos zurück­zule­gen. Dies ist notwendig, weil die knappe Zeit nicht aus­re­icht, um die weis­sen Fahrzeuge von einem in den anderen Bun­desstaat zu ver­legen und sie ein­er aus­re­ichen­den Sicher­heit­skon­trolle zu unterziehen.Tre­f­fen mit Ange­höri­gen des Stu­den­ten­mas­sak­ers Die Fam­i­lien­ange­höri­gen der seit zwei Jahren ver­mis­sten 43 Stu­den­ten aus Iguala dür­fen auf eine Begeg­nung mit Franziskus hof­fen. Der päp­stliche Nun­tius in Mexiko, Erzbischof Christophe Pierre, erk­lärte, während des Gottes­di­en­stes am 17. Feb­ru­ar in Ciu­dad Juarez gebe es die Möglichkeit für ein kurzes informelles Tre­f­fen. Der Fall von Iguala hat­te weltweit Auf­se­hen erregt: Im Sep­tem­ber 2014 waren 43 Stu­den­ten der Lehreraus­bil­dungsstätte «Raul Isidro Bur­gos» ent­führt und ver­mut­lich ermordet wor­den. Die Hin­ter­gründe sind bis heute nicht gek­lärt.Kon­fronta­tion mit Miss­brauch­sopfern Auf der Agen­da des Pap­st­be­suchs ste­hen wird auch der unlängst pub­lik gewor­dene Miss­brauchsskan­dal, den ein katholis­ch­er Geistlich­er zu ver­ant­worten hat. Wie das Kinder­schutz-Net­zw­erk «Foro Oax­aque­no de la Ninez», behauptet, sind mehr als 100 indi­gene Kindern und Jugendliche miss­braucht wor­den. Der Fall erin­nert in sein­er Dimen­sion an den Skan­dal um Mar­cial Maciel Degol­la­do (1920–2008). Der mexikanis­che Grün­der des Ordens der Legionäre Christi miss­brauchte Min­der­jährige sex­uell, zeugte mit zwei Frauen drei Kinder und beg­ing weit­ere schwere Ver­fehlun­gen. In der mexikanis­chen Öffentlichkeit wurde Mar­cial Maciel Degol­la­do zur neg­a­tiv­en Sym­bol­fig­ur für die Kirche. Franziskus weiss, dass das bis heute nach­wirkt und er auch auf Proteste gefasst sein muss. Lokalen Medi­en zufolge wird das Kirchenober­haupt aus Argen­tinien jeden­falls mit Miss­brauch­sopfern katholis­ch­er Geistlich­er zusam­men­tr­e­f­fen.Gast in der gefährlich­sten Stadt der Welt Gle­ich wohl darf sich der Papst auf sein­er Mexiko­r­eise auf ein Heim­spiel freuen. 82 Prozent der mexikanis­chen Bevölkerung (ins­ge­samt 120 Mil­lio­nen) sind Katho­liken. Die Bedeu­tung der Reli­gion ist ins­beson­dere in ländlichen Regio­nen nach wie vor unge­brochen. Nach sein­er Ankun­ft in Mexiko City am Fre­itag, 12. Feb­ru­ar, reist der Papst am Son­ntag weit­er nach Ecate­pec, bevor er im Bun­desstaat Chi­a­pas Sta­tion in San Chris­to­bal de Las Casas und Tuxt­la Gutiér­rez macht. Weit­er geht es am Dien­stag nach More­lia, der Haupt­stadt des mexikanis­chen Bun­desstaates Michoa­can. An seinem let­zten Tag ist der Papst in Ciu­dad Juarez zu Gast. Die Metro­pole an der Gren­ze zu den USA gilt als die gefährlich­ste Stadt der Welt. Sta­tis­tisch wird dort alle drei Stun­den ein Men­sch ermordet. In Ciu­dad Juarez wird Franziskus ein Gefäng­nis besuchen. US-Katho­liken aus der tex­anis­chen Gren­zs­tadt El Paso kön­nen den Gottes­di­enst, den der Papst im mexikanis­chen Ciu­dad Juarez feiert, auf ein­er Gross­bildlein­wand im örtlichen Foot­ball-Sta­dion «Sun Bowl» mitver­fol­gen. 
Andreas C. Müller
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