Hilfswerkskassen investieren nachhaltig

Kirch­liche Pen­sion­skassen wer­den dem moralis­chen Anspruch der Kirche im Umgang mit Geld nur bed­ingt gerecht. Weit­er­führende Recherchen von Hor­i­zonte zeigen: Gewisse Hil­f­swerke machen es bess­er.Im Rah­men der diesjähri­gen Fas­tenkam­pagne hat­ten Fas­tenopfer und Brot für alle umwelt- und sozialverträgliche Investi­tio­nen gefordert. Hor­i­zonte hat daraufhin nachge­forscht, wie es beim The­ma Beru­fliche Vor­sorge um die eigene Investi­tion­spoli­tik der christlichen Hil­f­swerke bestellt ist. Das Resul­tat der Recherche ergab Erfreulich­es, warf aber auch Fra­gen auf.

Abendrot und Nest listen alle Investitionen 

Mit Aben­drot (Brot für alle) und Nest (Fas­tenopfer) haben sich die Zugpferde der Fas­tenkam­pagne zwei mit­tel­grossen Vor­sorge-Ein­rich­tun­gen angeschlossen (über 10 000 Ver­sicherte, Vol­u­men bei über 1,5 Mil­liar­den Franken), die nicht nur einen dif­feren­zierten Nach­haltigkeits- und Umweltverträglichkeits­fokus imple­men­tiert haben, son­dern auch im Bere­ich Trans­parenz keine Wün­sche offen lassen: Jahres­berichte, Anlage-Regle­mente sowie auch die Liste aller gehal­te­nen Oblig­a­tio­nen, Wertschiften und Liegen­schaften im Detail kön­nen via Web­seite einge­se­hen wer­den. Neb­st ein­er Vielzahl von Auss­chlusskri­te­rien (auch Gen­tech­nolo­gie und Atom­kraft) wird nur in Unternehmen investiert, die nach ein­er unab­hängi­gen und sys­tem­a­tis­chen Umwelt- und Sozial­analyse zu den Besten ihrer Branche gehören.

Vorbelastete Namen gibt’s auch bei den nachhaltigen Pks

Dass ein strenges Regel­w­erk greift, zeigt sich bei der Durch­sicht des Wertschriften­verze­ich­niss­es. Allerd­ings: Vor­be­lastete Namen wie Apple, Lafarge Hol­cim oder Nes­tle tauchen auch in den Porte­fo­lios von Nest und Aben­drot auf. Dazu Stephan Ban­nwart, Mit­glied der Geschäft­sleitung von Aben­drot: «Das Prob­lem erk­lärt sich auf­grund der Bench­markvor­gaben für Pen­sion­skassen sowie auf­grund der Anla­ge­nauswahl des Best-in-Class-Auswahlver­fahren durch die Man­dats­banken. Wir haben aber vor, bei der Auswahl von nach­halti­gen Investi­tio­nen noch unab­hängiger und bess­er zu wer­den. Entsprechende Schritte sind auf dem Weg.»

Caritas gewährt keine Einsicht

Car­i­tas Schweiz und Car­i­tas Luzern hal­ten im Gegen­satz zu Fas­tenopfer eine eigene kleine Pen­sion­skasse mit ins­ge­samt etwa 600 Ver­sicherten (Vol­u­men liegt bei rund 100 Mil­lio­nen Franken). «98 Prozent unseres Kap­i­tals haben wir in nach­haltige Anla­gen investiert», erk­lärt Peter Dietschi, Präsi­dent des Stiftungsrats der Pen­sion­skasse der Car­i­tas. Man ori­en­tiere sich an den Social­ly Respon­si­ble Invest­ment-Richt­li­nen (SRI) eben­so wie am FTSE4­Good-Index, der im Bere­ich der Cor­po­rate Social Respon­si­bil­i­ty die besten Unternehmen lis­tet. Auch sei man Mit­glied im Ethos-Engage­ment­pool. Dieser führt mit Unternehmen weltweit einen Dia­log über mögliche Verbesserun­gen im Bere­ich Umweltschutz und Ein­hal­tung der Men­schen­rechte. Hor­i­zonte erhielt jedoch nicht die Möglichkeit, Jahres­berichte, Anlage-Regle­mente oder Wertschriften­verze­ich­nisse der Car­i­tas-Vor­sorge-Ein­rich­tung einzuse­hen. Eine Web­seite der Pen­sion­skasse der Car­i­tas existiert nicht. Den Ver­sicherten gegenüber beste­he jedoch volle Trans­parenz, und die Regle­mente und Jahres­berichte seien im Intranet der Car­i­tas aufgeschal­tet, so Peter Dietschi.

Ethos: «Mehrere Tausend Franken für Dienste»

Die Zusam­me­nar­beit mit Ethos ist hinge­gen nicht ganz unum­strit­ten. Chris­t­ian Boss, Geschäfts­führer der Pen­sion­skasse der Reformierten Lan­deskirche Aar­gau, erachtet sie «in der jet­zi­gen Form als wenig sin­nvoll» und erk­lärt, dass man sich, in enger Verbindung mit Ver­trauensper­so­n­en der Haus­banken, selb­st um die Wahrnehmung der Stimm­rechte bei investierten Unternehmen küm­mere. Ethos habe für diese Dien­stleis­tun­gen mehrere Tausend Franken gefordert. Hinzu komme, dass Ethos zwar Anla­gen anbi­ete, diese aber zum grössten Teil durch Man­dats­banken betreuen lasse.Urs Hol­liger von Ethos erläutert gegenüber Hor­i­zonte, dass klare Vor­gaben den Investi­tion­sprozess bei den Ethos Anlage­fonds regeln: «In der ersten Phase definiert Ethos das strenge Nach­haltigkeits-Anlage­u­ni­ver­sum,  in der zweit­en Phase erfol­gt das Stock-Pick­ing des Asset Man­agers der unab­hängi­gen Part­ner­bank aus dem von Ethos vorgegeben­em Nach­haltigkeits-Anlage­u­ni­ver­sum.» Weit­er erk­lärt Urs Hol­liger: «Der Ethos Engage­ment Pool wird von seinen Mit­gliedern finanziert und ist eine Dien­stleis­tung, bei der im Namen sein­er Mit­glieder Ethos mit den börsenkotierten SPI-Unternehmen auf höch­ster Ebene — also mit Mit­gliedern des Ver­wal­tungsrats und der Geschäft­sleitung — einen kon­struk­tiv­en Dia­log führt, um Verbesserung­sprozesse in den Bere­ichen Umwelt, Soziales und Cor­po­rate Gov­er­nance anzus­tossen.»

Das Bistum Basel setzt auf eine Versicherung

Die Bistümer befind­en sich in ein­er ähn­lichen Sit­u­a­tion wie die Hil­f­swerke. Sie haben nur wenig Angestellte, weshalb eine eigene Pen­sion­skasse in der Regel keinen Sinn macht. Im Falle des Bis­tums Basel sind es nur ger­ade 34 Per­so­n­en, wie der Kom­mu­nika­tionsver­ant­wortliche Han­srue­di Huber gegenüber Hor­i­zonte erk­lärt. Das Seel­sorgeper­son­al in den Pfar­reien werde näm­lich von den Kirchge­mein­den angestellt.Das Bis­tum Basel hat sich für die Vor­sorge sein­er Angestell­ten vor 14 Jahren der AXA-Gruppe angeschlossen. «Zum Zeit­punkt unseres Ver­tragsab­schlusses war Nach­haltigkeit im Zusam­men­hang mit Pen­sion­skasse­nan­la­gen noch kein The­ma», so Han­srue­di Huber auf die Frage, warum man sich nicht ein­er Vor­sorge-Ein­rich­tung angeschlossen habe, die sich pro­fil­iert­er im Bere­ich Umweltver­ant­wor­tung und Nach­haltigkeit posi­tion­iert habe. Und er ergänzt: «Im Übri­gen ver­trauen wir darauf, dass AXA an der Entwick­lung der Finanzbrache in diesem Bere­ich aktiv par­tizip­iert».

Klimawandel als Chance

AXA selb­st lässt via Nicole Hobelt, Head Media Rela­tions, aus­richt­en, dass man sich bere­its stark im Bere­ich Nach­haltigkeit engagiere: Die AXA Gruppe werde seit 2007 im glob­alen «Dow Jones Sus­tain­abil­i­ty-Index» aufge­führt. «AXA gehört damit zu jenen Unternehmen, die strenge umwel­trel­e­vante, soziale und unternehmerische Kri­te­rien erfüllen und aktiv man­a­gen, mit dem Ziel, sich stetig zu verbessern.» Alles sei auf der Web­seite der AXA-Gruppe ein­se­hbar, so Nicole Hobelt und ver­weist in diesem Zusam­men­hang expliz­it auf die unterze­ich­neten «UN Prin­ci­ples für Respon­si­ble Invest­ments» und die Mit­glied­schaft bei «Swiss Sus­tain­able Finance». Die AXA habe überdies Branchen-Richtlin­ien zu «Con­tro­ver­sial weapons», «Soft com­mod­i­ty derivates», «Palm oil and forestry» sowie «coal extrac­tion and coal-based ener­gy» erlassen und erst kür­zlich bekan­nt­gegeben, keine weit­eren Investi­tio­nen in die Tabakin­dus­trie zu täti­gen.Für Claude Amstutz vom Sus­tain­able Finance-Team beim WWF Schweiz, das zusam­men mit der britis­chen NGO «Share­Ac­tion» ein Nach­haltigkeit­srat­ing der 20 grössten Pen­sion­skassen der Schweiz erstellt hat, ergeben solche engagierten Bemühun­gen dur­chaus Sinn: «Ger­ade die Ver­sicher­er sind für nach­haltige Investi­tio­nen ger­adezu prädes­tiniert, weil sie sich schon jet­zt mit den Kon­se­quen­zen des Kli­mawan­dels auseinan­der­set­zen müssen.» Ver­sicher­er stün­den durch die Kli­marisiken gle­ich dop­pelt unter Druck. «Ein­er­seits müssen sie mit häu­figer auftre­tenden Schadens­fällen rech­nen, ander­er­seits sind sie mit ihren Kap­i­tal­rück­la­gen im fos­silen Energiesek­tor investiert – der Sek­tor, welch­er mass­gebend für den Kli­mawan­del mitver­ant­wortlich ist und deren Aktien­werte zu Über­be­w­er­tun­gen tendiert. Die Ver­sicher­er laufen somit Gefahr zukün­ftig wach­sende Schä­den zahlen zu müssen, während ihre Kap­i­tal­rück­la­gen vor möglichen grösseren Abschrei­bun­gen ste­hen. Mehr zum The­ma:https://www.horizonte-aargau.ch/kirchliche-pensionskassen-auf-dem-pruefstand/https://www.srf.ch/sendungen/blickpunkt-religion/kirchliche-pensionskassen-wie-nachhaltig-sind-siehttps://www.kath.ch/newsd/aargauer-pfarrblattredaktor-prangert-kirchliche-pensionskassen-an/ 
Andreas C. Müller
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