Zu Auffahrt: Gottesdienst für Menschen mit Behinderung

Zu Auffahrt: Gottesdienst für Menschen mit Behinderung

  • Da an Christi Him­melfahrt, 21. Mai, noch keine öffentlichen Gottes­di­en­ste stat­tfind­en dür­fen, zeich­net Hor­i­zonte erneut einen beson­deren öku­menis­chen Gottes­di­enst in der Pfar­rkirche St. Mar­tin in Ober­ent­felden auf. Konkret han­delt es sich um einen «Mite­nand-Gottes­di­enst» für Men­schen mit und ohne Behin­derung.
  • Was erwartet das Pub­likum in der knapp 40-minüti­gen Aufze­ich­nung? Isabelle Deschler, Lei­t­erin der Fach­stelle für Men­schen mit Behin­derung der Römisch-Katholis­chen Lan­deskirche Aar­gau, gibt Auskun­ft im Inter­view.
 Frau Deschler: Was dür­fen wir uns unter einem «Mite­nand-Gottes­di­enst» vorstellen, an dem Men­schen mit Behin­derung mitwirken? Was unter­schei­det ihn von einem herkömm­lichen Gottes­di­enst? Isabelle Deschler: Wir Seel­sor­gen­den bere­it­en solche Gottes­di­en­ste immer zusam­men mit Men­schen mit Behin­derung vor. Auch das The­ma bes­tim­men wir gemein­sam. Zudem sind Men­schen mit Behin­derung immer aktiv bei der Gestal­tung der Feier dabei und sicht­bar.In Anbe­tra­cht der sozialen Ein­schränkun­gen im Zuge der Coro­na-Pan­demie dürfte das wohl aber nicht ein­fach zu real­isieren gewe­sen sein. Richtig. Wir kon­nten das lediglich mit Men­schen machen, die weit­ge­hend selb­ständig und nicht in Insti­tu­tio­nen leben. Let­ztere dür­fen ja wed­er Besuch emp­fan­gen, noch sich ausser­halb mit Leuten tre­f­fen.An der Feier, welche ab mor­gen auf der Hor­i­zonte-Web­seite zu sehen sein wird, haben Olivia Tschopp und Tama­ra Sen­nrich mit­gewirkt. Ja. Tama­ra hat für die Agape-Feier eigens einen Zopf geback­en. Bei­de sind übri­gens Lek­torin­nen, und Olivia hat mich darauf aufmerk­sam gemacht, dass die Lesung in «leichter Sprache» sein sollte. Wir schauen bei den Mitand-Gottes­di­en­sten immer darauf, dass die Mitwirk­enden ihre Ideen und Per­sön­lichkeit ein­brin­gen kön­nen.Besucherin­nen und Besuch­er sind ver­boten. Da kann man ja eigentlich nicht mehr von einem «Mite­nand» sprechen, oder? Ja, lei­der. Es gehört immer dazu, dass wir die Leute vor Ort mitein­beziehen. Nor­maler­weise haben wir an solchen Feiern ein offenes Mikro­fon und die Anwe­senden dür­fen spon­tan nach vorne kom­men. Dieses Mal haben wir im Vor­feld bei ver­schiede­nen Per­so­n­en State­ments abge­holt, die im Gottes­di­enst ver­lesen wer­den.Sind die Coro­na-Pan­demie und ihre Auswirkun­gen auch The­ma in der Feier? Ganz direkt in den Für­bit­ten. Impliz­it in der gele­se­nen Apos­telgeschichte. Jesus geht weg, kündigt aber den Heili­gen Geist an. Auch wir sind aktuell miteinan­der ver­bun­den, kön­nen uns aber nicht sehen und warten auf eine Verän­derung – manche geduldiger, manche ungeduldiger. Manche mit Äng­sten und Zweifeln, manche mit gross­er Zuver­sicht.Wie stark trifft es die Men­schen in den Insti­tu­tio­nen, dass sie noch immer nicht nach draussen unter die Leute dür­fen? Dass sie nicht nach Hause gehen und ihre Fam­i­lien sehen kön­nen, ver­mis­sen sie am meis­ten. Dann aber auch die Möglichkeit eines Restau­rantbe­suchs bei Spaziergän­gen oder die Teil­nahme bei Vere­in­san­lässen. Sie ver­mis­sen ihre Rou­tine, das nor­male Arbeit­en, fixe Ter­mine beim Coif­feur oder Schwim­men im Hal­len­bad.Welche Fol­gen hat­te die Coro­na-Pan­demie und für Ihre seel­sorg­erische Arbeit mit Behin­derten? Wir haben begonnen, Skype-Gottes­di­en­ste oder eben Aufze­ich­nun­gen zu machen, wie wir sie an Auf­fahrt auf der Hor­i­zonte-Web­seite sehen kön­nen. Da haben wir vieles neu erfind­en und erproben kön­nen – auch weil in den Insti­tu­tio­nen viele Bewohner­In­nen keinen eige­nen Com­put­er haben.Haben die im Mai erlasse­nen Lockerun­gen schon Verbesserun­gen für die Arbeit Ihrer Fach­stelle gebracht? Nein, die meis­ten Insti­tu­tio­nen im Aar­gau haben erk­lärt, dass sie bis Ende Mai «geschlossen» bleiben. Erst ab Juni ist mit ein­er schrit­tweisen Öff­nung zu rech­nen. Wir pla­nen eine Rück­kehr zur Nor­mal­ität für die Zeit ab August/September.
Andreas C. Müller
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