
Bild: © Roger Wehrli
«Humor und Glaube – beides kann im Leben helfen»
Peach Weber startet in diesen Tagen seine​ Tournee mit dem Programm «King of Gäx».
Das Comedy-Urgestein aus dem Aargau verrät, was ihn lebendig hält und wann ihm das Lachen vergeht. ​Ein Interview, das mit einem kleinen Wutausbruch endet …
Peach Weber, woran glauben Sie?
Peach Weber: Eine zu grosse Frage für ein paar Zeilen. VielleÂicht an die Kraft des OptiÂmisÂmus, auch in schwieriÂgen ZeitÂen nach vorne zu blickÂen und nicht im JamÂmern zu verÂharÂren. Insofern halte ich wirkÂlich die Kinder für unsere Chance.
Worauf könÂnen Sie im Leben nicht verzichtÂen?
Immer wieder auch Zeit zu haben für mich selÂber, ich nenne dies jewÂeils meine «Klostertage». Da ziehe ich mich zurück in mein Haus und werkle etwas vor mich hin, ohne Druck und ohne TerÂmine.
Und wo könÂnen Sie so richtig ÂaussÂpanÂnen?
Eigentlich am besten bei mir zu Hause. Ich reise nicht gern, bin ja genug unterÂwegs mit meinen AuftritÂten. Absolute WellÂness für mich sind auch die StunÂden mit alten Kumpels bei meinem geliebten PétanÂqueÂspiel oder einem Jass. Das ist für mich ErholÂung pur.
Was gibt Ihnen Energie und ​motiviert Sie?
JetÂzt zum Beispiel habe ich gerÂade ein neues ProÂgramm geschrieben, «King of Gäx», und bin ab April wieder auf Tour. Obwohl es da auch StresszeitÂen gibt, merke ich immer wieder, dass mich das lebendig hält. Ich muss es natürÂlich möglichst vernünÂftig plaÂnen, aber wenn es mir nicht immer noch grosse Freude machen würde, einen Saal voller Leute zum Lachen zu brinÂgen, würde ich nicht schon sieben Jahre über die PenÂsion weitÂerÂmaÂchen.
Wann vergeÂht Ihnen das Lachen?
Wenn ich mitanseÂhen muss, welche Idioten im Moment in der WeltÂpoliÂtik das RudÂer übernehmen und wie der MenÂsch wirkÂlich aus der Geschichte nichts lernt, immer wieder auf die gleÂichen MechÂaÂnisÂmen reinÂfällt.
Gab es in den letÂzten MonatÂen einen perÂsönÂlichen LichtÂblick?
Dass ich immer noch mein Leben selbÂständig führen kann. Das ist absoÂlut nicht selbÂstverÂständlich, für mich aber sehr wichtig. Deshalb war auch immer mein Ziel, in meinem Job mein eigenÂer Chef zu sein, und das ist mir zum Glück gelunÂgen.
Sie schildern im Buch «Der steile Weg ins RamÂpÂenÂlicht», wie sie als Kind in der Kirche sassen und miterÂleben mussten, wie der Kaplan sich vor dem Altar mit einÂer PisÂtole umbrachte. Haben Sie auch schöne ErinÂnerunÂgen an Kirche und ReliÂgion?
Ich setÂze mich sehr gerne in Kirchen, wenn keine Messe ist. Da zünde ich eine Kerze an, wo das noch möglich ist. Es ist für mich eine tiefe MedÂiÂtaÂtion, in der ich vor allem meinen Eltern danke, für das, was sie mir mitÂgegeben haben. Auch meinÂer kleinen FamÂiÂlie, vor ​allem, dass meine Tochter so einen guten und selbÂständiÂgen Weg macht.
WelchÂes ist Ihr Lieblingswitz über ​die Kirche?
Der PfarÂrer steÂht mit dem ganzen Geld der KollekÂte vor dem Altar, wirft das Geld hoch in die Luft und ruft: «Herr, nimm was du willst, der Rest ist für mich.»
Was ist wichtiger, ein starkÂer Glaube oder ein robuster Humor?
Ich glaube, beiÂdes kann einem im Leben helfen, schwierige SitÂuÂaÂtioÂnen zu überÂsteÂhen, und beiÂdes ist ein grossÂes Glück, wenn man ihn mitÂbekomÂmen hat. Man kann sich zu beiÂdem nicht zwinÂgen, beiÂdes ist ein Geschenk.
«King of Gäx» Tournee 2025
Ab Mitte April ist Peach Weber mit seinem 17. ProÂgramm «King of Gäx» in der Schweiz unterÂwegs.
Peach Weber ist 1952 in Wohlen geboren und lebt in HägÂglinÂgen. Seit 1980 tourt er mit seinen ProÂgramÂmen erfolÂgreÂich durch die Schweiz und ist durch seine FernseÂhauftritte einem breÂitÂen PubÂlikum bekanÂnt. Seine AbschiedsvorstelÂlunÂgen im OktoÂber 2027 im Zürcher HalÂlenÂstaÂdion sind seit Jahren geplant. Zwei der drei VorstelÂlunÂgen sind bereÂits ausverkauft, für die dritte gibt es noch TickÂets. Im Moment tourt Peach Weber mit seinem 17. ProÂgramm «King of Gäx» durchs Land. TickÂets gibt es im Vorverkauf unter der TeleÂfonÂnumÂmer 0900 800 800 (Fr. 1.19/Min.), in Coop-City-ÂFilÂialen sowie auf www.ticketcorner.ch
VorstelÂlunÂgen in Ihrer Nähe:
Di, 22.4. Kuk Aarau, 20 Uhr
Mi, 14.5. MitÂtenÂza MutÂtenz, 20 Uhr
Do, 5.6. StadttheÂater Olten, 20 Uhr.
Mi, 18.6. KonzÂertÂsaal Solothurn, 20 Uhr.
TüröffÂnung jewÂeils um 19 Uhr.
Alle VorstelÂlunÂgen auf

PilÂgern ist im Trend. Wohin zieht es Sie? Was ist Ihr nächÂstes Ziel?
Wie gesagt, ich reise nicht gern, ab und zu zwei, drei Tage weg, das reicht mir. Zum Beispiel an das JazÂzfesÂtiÂval in MonÂtreux zu fahren, ist eine schöne TraÂdiÂtion.
«Lachen tötet die Furcht, und wenn es keine Furcht gibt, wird es keinen Glauben mehr geben.» Diesen Satz legt der SchriftÂsteller UmberÂto Eco in seinem Roman «Der Name der Rose» einem Mönch in den Mund. Gehen Lachen und Glauben Ihrer MeiÂnÂung nach zusamÂmen?
Ich halte nicht viel von solchen ZitatÂen und halte auch von diesem nicht viel. Es tönt immer knackÂig, kann aber gut widerÂlegt werÂden. Mein absolutes Idol zu diesem TheÂma war immer Don CamilÂlo. Wer die Filme nicht kenÂnt, soll sie sich anseÂhen und weiss dann, wie ich mir einen guten PfarÂrer vorstelle.
Nimmt die Kirche sich Ihrer MeiÂnÂung nach zu ernst?
AbsoÂlut, mein Beispiel mit Don CamilÂlo zeigt ja, dass ich immer Mühe hatÂte mit dem «HochwürÂden-Getue». Ein PfarÂrer, ein KarÂdiÂnal, ein Papst soll ein MenÂsch sein und nicht meinen, er sei etwas Besseres.
Ihre AbschiedsvorstelÂlung im Jahr 2027 ist seit Langem geplant. Denken Sie immer so weit voraus?
Nein, es war nie meine KernkomÂpeÂtenz, langfristig zu plaÂnen. Auch ein guter Kirchen-witz: «Wie bringst du Gott zum Lachen? Erzähl ihm von deinen PläÂnen.» Die Idee, meine AbschiedsvorstelÂlung im Jahr 2027 im HalÂlenÂstaÂdion zu plaÂnen, entÂstand aus einem Witz herÂaus und hat sich nun zu einÂer «grossen Kiste» mit drei Mal 10’000 BesuchÂern entwickÂelt.
Was kommt danach? PlaÂnen Sie heimÂlich schon weitÂer?
Zuerst muss ich das HalÂlenÂstaÂdion aufräuÂmen, ich muss es ja besenÂrein abgeben, und dann schauen wir weitÂer. Meine MutÂter sagte immer: «S’chond scho guet.» Ich bin nicht der geniale PlanÂer, aber dafür finde ich in schwieriÂgen SitÂuÂaÂtioÂnen ziemÂlich schnell einen Weg, auf dem es weitÂergeÂhen könÂnte.
Sie füllen die Säle und Ihre AbschiedsvorstelÂlunÂgen sind bereÂits ausverkauft. Haben Sie ein Rezept, wie die Kirche ihre Gotteshäuser auch wieder füllen könÂnte?
Sie müsste vielleÂicht einiges vom über JahrhunÂderte entÂstandeÂnen «BrimÂboÂriÂum» ableÂgen, vom Thron herÂabÂsteigen und den MenÂschen bessÂer zuhören. Und vor allem endlich die Frauen nicht nur für soziale Zwecke dulden, sonÂdern, gopfriedÂstutz, ernst nehmen und als gleÂichÂwÂerÂtige MenÂschen behanÂdeln. Das wäre schon mal ein gutes Beispiel für all die LänÂder, in denen immer noch Macho-Idioten das Sagen haben und Frauen unterÂdrückÂen. Exgüsi für den kleinen WutausÂbruch …



