Kardinal Marx ist gegen den Pflichtzölibat

Kardinal Marx ist gegen den Pflichtzölibat

In einem Inter­view mit der Süd­deutschen Zeitung hat der Münch­n­er Erzbischof Rein­hard Kar­di­nal Marx eine Aus­sage gemacht, die für eini­gen Aufruhr in der römisch-katholis­chen Kirche und vor allem in deren Kurie sor­gen dürfte. Wie Radio SRF 1 in der Sendung Ren­dez-vous gestern mit­teilte, hat sich Marx in diesem Inter­view klar für die Abschaf­fung des Pflichtzöli­bats aus­ge­sprochen: «Bei manchen Priestern wäre es bess­er, sie wären ver­heiratet. Ich denke, so wie es jet­zt ist, kann es nicht weit­erge­hen.» Kar­di­nal Marx spricht aus Erfahrung. Muss er doch als ober­ster Hirte des Erzbis­tums München und Freis­ing zur Zeit immer wieder öffentlich Stel­lung nehmen zum jüngst pub­lizierten Gutacht­en «Sex­ueller Miss­brauch Min­der­jähriger und erwach­sen­er Schutzbe­fohlen­er durch Klerik­er sowie haup­tamtliche Bedi­en­stete im Bere­ich der Erzdiözese München und Freis­ing von 1945 bis 2019». Der Miss­brauchs­bericht über die Vorgänge in Marx’ Bis­tum schlug weltweit hohe Wellen. Er offen­barte auch das per­sön­liche Ver­sagen des dama­li­gen Erzbischofs Joseph Kar­di­nal Ratzinger und späteren Pap­stes Benedikt XVI. Auf die Frage, ob er einen Zusam­men­hang zwis­chen dem Zöli­bat (Ehelosigkeit von Priestern) und sex­uellem Kindsmiss­brauch sehe, antwortete Marx, pauschal könne man das nicht sagen. «Aber diese Lebens­form und dieses Män­ner­bündis­che ziehen auch Leute an, die nicht geeignet sind, die sex­uell unreif sind. Und Sex­u­al­ität gehört eben zum Men­schen dazu, das geht auch nie vorüber.»

Christian Breitschmid
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