«Kirchlich heiraten — himmlisch schön»

«Kirchlich heiraten — himmlisch schön»

Braune Led­er­jacke, ein Kleid, dessen Farbe qui­etscht, Leop­ar­den­strumpfhose und hohe braune Led­er­stiefel. Car­men Frei zeigt, wie es nicht geht.Wie es geht zeigt Marc Tabel­ing von der Agen­tur Ren­zen. Casu­al heisst der gefragte Stil, edel und doch all­t­agstauglich. Der modis­che Anschau­ung­sun­ter­richt im Bullinger­haus Aarau verdeut­licht den Anwe­senden worum es geht: Den geschmack­vollen Auftritt der Aar­gauer Lan­deskirchen an der Hochzeit­sex­po in Lenzburg. Eine Pre­miere im Aar­gau.Tra­di­tion­s­ab­bruch bei jun­gen PaarenFür diese Pre­miere set­zten die Lan­deskirchen eine Arbeits­gruppe ein: Car­men Frei als Kom­mu­nika­tions­fach­frau, Kurt Adler von Bil­dung und Prop­stei für die Römisch-Katholis­che Lan­deskirche, sowie Frank Worbs, Infor­ma­tions-beauf­tragter der Reformierten Lan­deskirche Aar­gau. Gemein­sam mit der Agen­tur Ren­zen wur­den eine Broschüre und der Messeauftritt entwick­elt. «Es ist das erste Mal, dass wir mit den Kirchen für eine Hochzeit­sex­po zusam-menar­beit­en. Das ist neu und span­nend», sagt Marc Tabel­ing und grinst. Car­men Frei lieferte den grif­fi­gen Titel für das «Paket»: «Kirch­lich heirat­en – Himm­lisch schön». Bei der Ein­führung in die Stan­dar­beit im Bullinger­haus ver­mit­telt die öku­menis­che Arbeits­gruppe die Gründe für die gemein­same Aktion der Kirchen. Und die liegen für Frank Worbs auf der Hand: «Die Zahlen bei den kirch­lichen Trau­un­gen, die wir auf reformiert­er Seite sehen, zeigen einen Tra­di­tion­s­ab­bruch bei jun­gen Paaren. Damit gehen uns später Anknüp­fungspunk­te im Leben der Men­schen ver­loren.» Katholis­ch­er­seits wird die Aktu­al­ität der Prob­lematik ähn­lich wahrgenom­men.Präsenz zeigenDas Titelfo­to der Broschüre: Ein Braut­paar im Freuden­sprung. Ein gestelltes Foto, doch ein echt­es Braut­paar, ganz frisch ver­heiratet. Die Hochzeit soll für viele Paare der schön­ste Tag ihres Lebens wer­den. Dafür wird tief in die Tasche gegrif­f­en, ein ganz­er Markt beschäftigt sich mit dem The­ma. Das verdeut­licht auch die lan­dauf landab wach­sende Zahl der Hochzeitsmessen. Die Broschüre der Lan­deskirchen will ver­mit­teln: Kirch­lich heirat­en ist eine schöne Angele-gen­heit, eine, die eine grössere Dimen­sion der Part­ner­schaft bet­rifft. Es ist wichtig, dass die Kirchen sich das The­ma nicht ein­fach weg­nehmen lassen, auch wenn die Gruppe der Kon­fes­sion­slosen zunehmend wächst. Sich auf dem teil­weise hart umkämpften Hochzeits­markt zu posi­tion­ieren ist ein vielle­icht unge­wohn­ter und mutiger Schritt für die Kirchen. Sie zeigen damit, dass sie neben dem Inhalt dur­chaus auch Dien­stleis­ter sein kön­nen und wollen.Eine unter vie­lenDamit wird die Kirche zu Ein­er unter Vie­len. Von Blu­men­schmuck, Cater­ing, Musik, Bek­lei­dung bis zu Getränken und den Ange­boten von Fotografen; mehr als zwanzig Anbi­etern präsen­tieren alles, was mit dem «Tag der Tage» zu tun. Allerd­ings sei im Vor­feld dur­chaus pos­i­tiv aufge­fall­en, dass die Kirche mit an Bord der Ausstel­lung sei, heisst es aus der öku­menis­chen Arbeits­gruppe. Im ersten Stock teilen sich die Lan­deskirchen den Raum mit einem weit­eren Teil­nehmer. Jed­er Besuch­er und jede Besucherin, die sich durch die als Rundgang konzip­ierte Ausstel­lung bewe­gen, kommt bei ihnen vor­bei. Damit die Lan­deskirchen mit den anderen mithal­ten kön­nen, wurde der Auftritt hell und zeit­gemäss gestal­tet. Gle­ichzeit­ig wurde auf Nach­haltigkeit geachtet: alle «Zutat­en» wie Stell­wand oder Klapptheke kön­nen jed­erzeit weit­er und wiederver­wen­det wer­den. Fehlen im Set­ting nur noch die Men­schen, die es mit Leben füllen und die Kirchen ansprechend ver­mit­teln.Grosse FragerundeWie das mit dem «Dien­stleis­ter sein» geht, klärt sich dann auch in der Fragerunde. Rund zwanzig Pfar­rerin­nen und Seel­sorg­er aus ver­schiede­nen Aar­gauer Kirchge­mein­den und Pfar­reien wer­den den Stand an den bei­den Mes­se­ta­gen betreuen. «Wenn Leute wis­sen wollen, ob sie einen eige­nen Pfar­rer mit­brin­gen kön­nen, was sag ich da?», «Wie soll ich reagieren, wenn sie mich um die Trau­ung bit­ten?», «Wie sieht es mit der Frage nach Bezahlung aus?», Fra­gen über Fra­gen. «Ihr sollt den Besuch­ern vor allen Din­gen die richti­gen Kon­tak­t­dat­en geben. Ihr seid am Mess­e­s­tand online, habt einen Druck­er und kön­nt ihnen ganz direkt Namen und Tele­fon­num­mer des zuständi­gen Pfar­ramtes sagen. Dort kön­nen inter­essierte Paare die Details klären», erk­lärt Frank Worbs.Unge­wohnte Ver­hal­tens­mass­regeln«Kirchen­rechtliche Fra­gen soll­tet ihr nicht ansprechen. Es sei denn, es wird konkret gefragt», sagt Frank Worbs ein wenig später. Knack­ig gesprochen: Die Leute wollen nicht wis­sen, warum Kirche ist, wie sie ist. Sie wollen wis­sen, welch­er Pfar­rer oder welche Gemeinde für sie zuständig sind. Noch über­spitzter for­muliert geht es bei diesem Erstkon­takt nicht um Gott, son­dern um seine Organ­i­sa­tion. «In den Vor­bere­itungskursen kom­men The­men wie Tren­nung von Seit­en der Paare nicht auf. Ich bin jew­eils der, der sie auf die Prob­lematik in der römisch-katholis­chen Kirche hin­weist», erk­lärt Kurt Adler von Bil­dung und Prop­stei. Ein Muss am Mess­e­s­tand: Die Inter­essen­ten sollen sich wohlfühlen, sollen eine gute Erin­nerung an den Auftritt der Lan­deskirchen mit­nehmen. Kirche posi­tion­iert sich als Anbi­eter von Ser­vice. Eine unge­wohnte Per­spek­tive, die Frank Worbs ganz klar begrün­den kann: Ihn ärg­ert, dass kirch­liche Braut­paare Gebühren zahlen müssen, wenn sie ausser­halb der eige­nen Kirchge­meinde heirat­en wollen. «Die Leute zahlen als Kirchen­mit­glieder doch bere­its Steuern, warum also zusät­zliche Gebühren? Sie sollen doch etwas zurück­bekom­men.»Anne Burgmerwww.hochzeitsexpo.ch
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