«Millionen von Menschen werden wohl nie eine Impfung bekommen»

«Millionen von Menschen werden wohl nie eine Impfung bekommen»

  • Die Impfkam­pagne in der Schweiz gehe nur schlep­pend voran, wird immer wieder kri­tisiert. ​In Drit­tweltlän­dern wäre das ein Luxu­s­prob­lem.
  • Hele­na Jeppe­sen ist Pro­gram­mver­ant­wortliche von Fas­tenopfer für die Philip­pinen. Im ersten Teil des Aus­landss­chw­er­punk­ts berichtete sie über die Men­schen­rechtsver­let­zun­gen unter Präsi­dent Duterte.
  • Im zweit­en Teil gibt der philip­pinis­che Bischof David Ambo im Inter­view Auskun­ft, wie sich die Impfkam­pagne auf den Philip­pinen entwick­elt.

Bischof David, mit­tler­weile ist auch auf den Philip­pinen die Impfkam­pagne gegen Coro­na ange­laufen. Wie kommt die Imp­fak­tion voran?
Bischof David Ambo: Die Kam­pagne ist mit gross­er Verzögerung ins Rollen gekom­men.

Was war der Grund für die Verzögerung?
Kein west­lich­es Phar­maun­ternehmen ist geneigt, Geschäfte mit der philip­pinis­chen Regierung zu täti­gen, ohne zuvor die Zusicherung zu erhal­ten, dass sie nicht für die Entschädi­gung von Per­so­n­en haft­bar gemacht wer­den, wenn es bei geimpften Per­so­n­en uner­wün­schte Neben­wirkun­gen gibt.

Gibt es denn jet­zt noch immer keinen Impf­stoff auf den Philip­pinen?
Es wur­den 600’000 Dosen Sino­vax aus Chi­na gespendet. Dazu kam über die Cov­ax-Ini­tia­tive eine zweite Liefer­ung mit 480’000 Dosen des AstraZeneca-Impf­stoffs. Die Regierung Duterte hat auf­grund dieser Entwick­lung nun weit­eren Impf­stoff in Chi­na bestellt.

Was bedeutet diese Entwick­lung für die Bevölkerung?
Dass es vom heuti­gen Stand­punkt aus gese­hen wohl mehrere Jahre brauchen wird, bis die Hälfte der Bevölkerung geimpft ist und wir die Her­den­im­mu­nität erlangt haben.

Spie­len die Kirchen auch eine Rolle bei der Durchimp­fung der Bevölkerung?
Unsere Rolle liegt in der Unter­stützung der lokalen Behör­den bei der Mobil­isierung frei­williger Ärzte und Impfhelfer sowie in der Stärkung des Impfver­trauens. Für das Impf­pro­gramm ste­ht von staatlich­er Seite viel zu wenig Per­son­al zur Ver­fü­gung. 

Was kön­nen die Kirchen konkret tun?
Die Bis­chöfe haben Erk­lärun­gen abgegeben, die das Impf­pro­gramm – inmit­ten der Ver­bre­itung gefälschter Nachricht­en und Ver­schwörungs­the­o­rien – unter­stützen.

Wie gross ist eigentlich die Chance, dass unter solchen Bedin­gun­gen auch die vie­len Armuts­be­trof­fe­nen im Land zu ein­er Imp­fung kom­men?
Da machen wir uns in der Tat Sor­gen. Die vie­len nicht reg­istri­erten Bürg­erin­nen und Bürg­er – etwa zehn Mil­lio­nen Men­schen – wer­den ten­den­ziell vom Impf­pro­gramm aus­geschlossen. Ich spreche von den Ärm­sten der Armen, die keine Geburt­surkunde haben. Sie kön­nen keinen öffentlichen Dienst in Anspruch nehmen und existieren für die Regierung auch nicht. 

Welche poli­tis­chen Auswirkun­gen dürfte die Coro­n­akrise haben?
Entwed­er wird die Krise für die aktuellen Machthaber zu einem weit­eren Erfolg, oder aber es kommt zu einem poli­tis­chen Bruch.

Marie-Christine Andres Schürch
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